Das Justizministerium möchte die erweiterte DNA-Fahndung einführen. Ermittlern soll das helfen, die Farbe von Haut, Haar und Augen sowie das ungefähre Alter eines flüchtigen Täters festzustellen. Was mit einer DNA-Fahndung sonst noch alles möglich wäre, weiß unser Reporter Pascal Fischer.

Finden Ermittler Blutspuren, Haare oder Hautschuppen am Tatort, dann dürfen sie aus den daraus gewonnen DNA-Informationen einen DNA-Abgleich machen und die Datenbank abfragen, ob der mutmaßliche Täter schon polizeilich erfasst ist. Außerdem zulässig ist die Erfassung des Geschlechts des mutmaßlichen Täters. In Zukunft soll aber auch die Haarfarbe, Hautfarbe oder Augenfarbe aus den Spuren herausgelesen werden.

Das Täterprofil schärfen

Bei braunen und blauen Augen, bei roten und schwarzen Haaren, bei dunkel-schwarzer Haut ist die Treffer-Wahrscheinlichkeit der DNA-Analyse relativ hoch, sagt unser Reporter Pascal Fischer. Auch wenn der oder die Täter auf der Flucht ihr äußeres Erscheinungsbild künstlich verändern, sind die Informationen wertvoll für die Polizei.

"Täter können ihre Haare färben, Kontaktlinsen nehmen. Trotzdem sagen Forensiker: Die Kombination der drei Merkmale erhöht schon sehr die Wahrscheinlichkeit, ein gutes Täterprofil zu haben."
Pascal Fischer, Deutschlandfunk Nova

Aus der DNA eines Menschen lässt sich aber noch viel mehr ablesen. Der Forensiker Mark Benecke zählt auf: "Ob man bitter schmecken kann, wie leicht man möglicherweise zigarettenabhängig wird, ob man aus Fehlern lernen kann. Ansonsten sind es so Sachen wie Gallensteine, ob man eine Neigung zu Herzinfarkten hat, Brustkrebs und dergleichen mehr." Auch solche Informationen könnten neue Recherchewege eröffnen, indem man bei Krankenhäusern und Ärzten nachfragt.

"Stell dir vor, du kommst wegen Herzinfarkt ins Krankenhaus und bist plötzlich auch noch Tatverdächtiger."
Pascal Fischer, Deutschlandfunk Nova

Für die Fahndung sind solche sensiblen Informationen bislang nicht zulässig. Ob solche Daten verwendet werden dürfen, "das muss man als Gesellschaft wollen", sagt Pascal Fischer. Über DNA-Spuren Rückschlüsse auf die biografische Herkunft zu schließen - auch das ist eine sensible Frage. Zudem solche Aussagen nicht unbedingt zuverlässig sind. Genau bestimmen, aus welchen Land jemand kommt, lässt sich nicht, erklärt Pascal. "Du weißt nur grob eine geografische Region im Sinne von Kontinenten".

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Und ganz schwer wird es, wenn die Eltern von verschiedenen Kontinenten stammen. Kritiker befürchten, dass eine solche Methode schnell zu einer Stigmatisierung von Minderheiten führen könnte. Doch es geht auch andersherum: 1999 wurde in den Niederlanden ein Mädchen ermordet. Schnell kam Stimmung gegen Asylbewerber aus einem nahe gelegenen Heim auf, sagt Pascal. Die Analyse der Täter-DNA ließ dann aber keinen Zweifel zu: Der Täter musste Nordeuropäer gewesen sein.