Die Situation zwischen den beiden Erzfeinden Indien und Pakistan ist gerade äußerst angespannt. Die Welt schaut nervös zu, denn beide Länder besitzen Atomwaffen. Unsere Korrespondentin Silke Diettrich war gerade in der Kaschmir-Region und erzählt uns, wie sie die Situation dort erlebt hat.

Kaschmir liegt im Norden des indischen Subkontinents im nordwestlichen Himalaja und südlichen Karakorum. Die Region ist seit mehr als 70 Jahren geteilt. Mehrere Kriege haben die verfeindeten Atommächte Indien und Pakistan schon um Kaschmir geführt. Und ein weiterer droht. 

Die Lage ist ernst

Vor etwa drei Wochen hat sich in Kaschmir ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Mehr als 40 Sicherheitskräfte haben dabei ihr Leben verloren. Obwohl der Attentäter aus Indien kam, sagt die indische Regierung, dass Pakistan hinter dem Anschlag steckt – denn eine pakistanische Terrorgruppe hat sich zu dem Anschlag bekannt. Danach eskalierte die Situation zwischen Indien und Pakistan: Gefechte in der Luft, Gefechte am Boden in der Grenzregion, Propaganda auf beiden Seiten. 

Bunker an der Grenze zu Pakistan

Die indische Regierung baut für die Menschen, die an der Grenze zu Pakistan leben, gerade Bunker. Damit sie sich schützen können, sollte es zum Äußersten kommen. Unsere Korrespondentin Silke Diettrich war in zwei indischen Dörfern, die nur ein paar Hundert Meter von Pakistan entfernt liegen. Sie habe dort eine sehr sonderbare Stimmung verspürt, hat sie uns erzählt. Auf den ersten Blick sei alles idyllisch gewesen: grüne Wiesen, weite Felder, gelbe Senfblüten. Aber dann: Zäune, Stacheldraht, Wachtposten. Die Soldaten seien in höchster Alarmbereitschaft. 

"Ein Grenzsoldat hat mir gesagt: Wir sind in allerhöchster Alarmbereitschaft."
Silke Diettrich, Korrespondentin im Studio Neu-Delhi

Zeitweise hatten auch die Schulen in den Dörfern geschlossen. Zuletzt habe sich die Situation aber ein wenig "normalisiert". Die Leute wüssten aber, dass jederzeit etwas passieren könnte.

Seit 70 Jahren: Der Kaschmir-Konflikt

Es geht um Besitzansprüche in der Region Jammu und Kashmir. Laut indischer Verfassung ist das Gebiet ein autonomer indischer Bundesstaat. Pakistan sieht das anders. 70 Jahre alt ist dieser Streit bereits. Aktuell regiert Pakistan etwa ein Drittel, Indien etwa zwei Drittel der umstrittenen Region im Himalaja. An der Grenze leiden die Menschen unter dieser Feindschaft. Angst vor Mörsergranaten und Anschlägen sind an der Tagesordnung, berichtet Silke Diettrich.

"Granateneinschläge oder Schusswechsel zwischen den Soldaten auf beiden Seiten sind Alltag. Die Menschen sind den Kleinkrieg seit Jahrzehnten gewohnt."
Silke Diettrich, Korrespondentin im Studio Neu-Delhi

Es geht nicht um Öl, es geht tatsächlich "nur um dieses Stück Land", sagt Silke Diettrich. Der Kaschmir-Konflikt hat zwei Hauptursachen: Bereits im Jahr 1819 hatten die Sikhs von Punjab in Indien das muslimische Kashmir mit dem hinduistischen Jammu zusammengeführt. 

Später dann (1858-1947) wurde der indische Subkontinent britisches Kolonialgebiet. 1947 kam es zur Teilung Britisch-Indiens: Die Briten machten zwei Länder aus dem riesigen Gebiet: Pakistan, wo mehr Muslime waren, und Indien, wo mehr Hindus lebten. Der Fürstenstaat Kaschmir im Norden war aber auch noch da - und wurde später auch aufgeteilt. Bis heute sagen beide Seiten: Wir wollen Kaschmir ganz. Und keiner will von dieser Forderung abrücken.

"Es sollte einen Krieg geben mit Pakistan. Wir sind es leid, wir können doch nicht in ständiger Angst hier leben. Lasst uns das ein für alle Mal mit einem Krieg beenden."
Frau in einem indischen Dorf in der Grenzregion

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