Iiiiih, du stinkst nach Knoblauch! Wenn wir Knoblauch essen, riechen wir wenig später danach. Aber manche von uns riechen mehr, andere fast gar nicht. Und Männer stinken angeblich mehr nach Knoblauch als Frauen. Ist da was dran? Der Geruchs- und Riechforscher Hans Hatt erklärt.

Vor einem Date oder einem Clubabend ist es ratsam, nicht allzu viel Knoblauch oder Zwiebeln zu essen. Denn manche von uns riechen ganz schön heftig danach, und viele Menschen empfinden das dann als Gestank. Es riechen aber eben nicht alle gleich stark, und auch nicht alle riechen den Knoblauch gleich und gleich intensiv.

Dass wir unterschiedlich stark nach Knoblauch riechen, liegt unter anderem an unserem Stoffwechsel. Beim Knoblauch ist es so, erklärt der Bochumer Geruchs- und Riechforscher Hans Hatt, dass der Geruchsstoff, den wir wahrnehmen, gar nicht in der Pflanze selbst steckt. Wir müssen ihn erst bilden. Und zwar aus einer Vorsubstanz, die Inhaltsstoff der Knolle ist: dem Aliin, einer schwefelhaltigen Aminosäure. Das baut der Körper unter anderem mithilfe von Enzymen zu Allicin um, so der Zellphysiologe. Und das erst hat dann den typischen Knoblauchgeruch.

Der typische Knoblauchgeruch entsteht erst in unserem Körper

Je nachdem, wo die Umwandlung passiert, tritt der Geruch anders aus - über die Atemluft oder über den Umweg der Blutbahn durch die Poren. Eine Rolle bei der unterschiedlichen Geruchsentwicklung kann deshalb auch die Anzahl der Schweißdrüsen spielen.

Dass Männer nach dem Knoblauch- oder Zwiebelessen mehr danach stinken als Frauen, kann Hans Hatt nicht bestätigen – jedenfalls nicht aus wissenschaftlicher Sicht. Ihm ist keine Studie bekannt, die Hinweise darauf gibt, dass Männer Knoblauch anders verstoffwechseln als Frauen. Für denkbar hält der Zellphysiologe, dass der Eindruck zustande kommt, weil Männer vielleicht schlicht größere Mägen haben oder mehr essen, also mehr von der Vorsubstanz aufnehmen.

Knoblauch riecht für jeden anders

Nicht nur ob wir danach riechen, sondern auch wie wir den Geruch von Knoblauch wahrnehmen, ist unterschiedlich. Dem einen macht er gar nichts, die nächste riecht ihn gar nicht erst, und andere wiederum finden ihn total eklig. Die Intensität der Geruchsempfindung ist tatsächlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich, sagt Hans Hatt: Manche Menschen riechen genetisch bedingt mehr als andere oder nehmen die gleichen Gerüche anders war.

"Ob wir einen Geruch mögen oder nicht, ist ja nicht angeboren, sondern das lernen wir."
Hans Hatt. Biologe

Hinzu komme unsere Bewertung von Gerüchen. Ob wir Knoblauchgeruch gut oder schlecht finden, ist uns demnach nicht angeboren, sondern wir lernen es. Wir lernen von Kindheit an: "Der stinkt nach Knoblauch!" oder: "Der riecht eigentlich ganz gut nach Knoblauch!", sagt Hans Hatt. Und dieses Lernen sei länderspezifisch. In anderen Kulturkreisen, wo Knoblauch traditionell viel mehr verwendet wird, werde auch der Geruch viel positiver bewertet.

Übrigens – um mal eine Lanze für den leckeren Knoblauch zu brechen: Ob er für uns nun duftet oder stinkt, in jedem Fall wirkt er entzündungshemmend und antibakteriell.