Ist die Feststellung des Hirntodes wirklich das Maß aller Dinge? In Deutschland wird diese Frage eindeutig mit einem "Ja" beantwortet. Hier hat die Bundesärztekammer die genaue Vorgehensweise festgelegt, um darüber zu bestimmen, wann ein Mensch tot ist. Doch inzwischen kommen Zweifel auf, ob diese Form der Todesdefinition die einzig richtige ist.

Der praktischen Theologe Traugott Roser von der Universität Münster kritisiert die Politiker, die allein den Ärzten die Deutungshoheit darüber gegeben hätten, das unumkehrbare Ende aller Hirnfunktionen als Kriterium zu Grunde zu legen. Dabei handele es sich - sagt Roser - um ein sehr biologisches Todesverständnis. Namhafte Ethiker in den USA weisen darauf hin, dass Menschen auch dann noch bestimmte Körperfunktionen regulieren können, wenn sie schon hirntod sind. Roser plädiert daher für Nachregulierungen.

"Strittig ist allerdings schon, ob ein hirntoter Mensch, genauer ein künstlich beatmeter, ernährter, als Kadaver zu bezeichnen ist"
Traugott Roser, evangelischer Theologe

Der Direktor der Klinik für Transplantationsmedizin in Münster, Hartmut Schmidt, beklagt ebenfalls große Rechtsunsicherheiten. Die Medizin sei in ihren Möglichkeiten inzwischen viel weiter als die Rechtslage, was den Alltag von Ärzten bisweilen schwierig bis unmöglich mache.

"Für uns Mediziner in der heutigen Phase brauchen wir Rechtssicherheit. Wir können so keine Medizin mehr machen."
Hartmut Schmidt, Transplantationsmediziner
Hartmut Schmidt, Transplantationsmediziner, und Traugott Roser, Theologe
© Sarah Batelka
Hartmut Schmidt, Transplantationsmediziner, und Traugott Roser, Theologe