In der EU gibt es 86 verschiedene Personalausweise. Der Ausweis soll jetzt aber sicherer werden, indem unsere Fingerabdrücke darin gespeichert werden. Darüber verhandelt jetzt die EU. 

Die EU-Kommission, das Europaparlament und die Mitgliedstaaten verhandeln am Mittwoch über neue Regeln für Personalausweise und Aufenthaltspapiere. Fingerabdrücke sollen bald nicht mehr nur im Reisepass, sondern auch im Personalausweis verpflichtend sein. Die Bundesregierung hat dem Vorhaben zugestimmt. 

Auf den Ausweisen könnte dann bald nicht mehr nur ein biometrisches Bild, sondern auch zwei Fingerabdrücke des Inhabers gespeichert werden. Das Dokument soll so sicherer werden. Peter Welchering ist Journalist und Experte für IT-Sicherheit und Datenschutz. Er sagt, in der EU würden gar nicht viele Ausweise gefälscht. Er warnt darum davor, dass hier ein neues Sicherheitsleck entstehen könnte.

"Man will das fälschungssicherer machen, aber vergisst dabei, dass man ein neues Sicherheitsproblem schafft."

Diese Fingerabdruck-Datei, die dann auf dem Personalausweis gespeichert wäre, könne ja aus der Entfernung von Kriminellen oder auch von Behörden ausgelesen werden. Einige Staaten, in denen man ja heute schon bei der Einreise seine Fingerabdrücke abgeben muss, würden bereits mit den Daten handeln. Auch im Darknet seien jetzt schon solche Daten zu finden, die eigentlich nur von Staaten genutzt werden dürften, sagt der Journalist. Für den Datenschutz wären solche Dateien auf unseren Persos also sehr schwierig.

"Die Datenschutzbedenken sind sehr schwerwiegend."
Peter Welchering, Journalist und Experte für IT-Sicherheit und Datenschutz

2006 sollten die Fingerabdrücke der Bürgerinnen und Bürger ja schon mal in einer bundesweiten Datenbank gespeichert werden. Im Innenministerium habe es damals den Plan gegeben, diese Daten auch zu verkaufen. Damals habe man schnell wieder davon abgelassen, nachdem unter anderem der Deutschlandfunk darüber berichtet hatte, sagt Welchering. 

Die Bundesregierung sehe sich heute unter Druck gesetzt, dem Vorhaben zuzustimmen, da sie ja auch die Daten von anderen EU-Ländern erhalten möchte. Bisher gebe es nämlich nur Fingerabdruck-Daten von den Polizeibehörden und die würden eben nur Straftäter aufführen.

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