Im Kosovo können Fahrer künftig bei einer Polizeikontrolle ihr Smartphone zücken. Als erstes Land der Welt können die Bürger ihren Führerschein in einer App speichern. Für Deutschland wäre die Umsetzung schwieriger.

Wer im Kosovo einen Führerschein hat, kann sich eine App runterladen. Dann müssen die Nutzer und Nutzerinnen einen Antrag bei den Behörden stellen und die schicken einen Aktivierungscode. Das war es dann auch schon, der Führerschein ist jetzt auf dem Handy. Ein Foto ist nicht in der App gespeichert. Das liegt bei den Behörden auf einem Rechner.

Bei einer Kontrolle kann die Polizei dann einen QR-Code scannen, um zu überprüfen, ob alles in Ordnung ist. Über den Code bekommen die Polizisten dann auch Zugriff auf die hinterlegten Daten, zum Beispiel ob die Personen einen Lkw fahren dürfen oder, ob der Führerschein vielleicht sogar gerade gesperrt ist.

Eine Frauenhand mit einem Smartphone. Auf dem Smartphone der digitale Führerschein.
Im Kosovo gibt es jetzt den digitalen Führerschein auf dem Smartphone

Der große Vorteil ist, dass die Nutzer nicht immer zig Ausweise im Portemonnaie mitschleppen müssen, beziehungsweise bräuchten sie in diesem Fall nur noch das Smartphone. Entwickelt hat das Ganze übrigens das deutsche Unternehmen Veridos. Die Macher sagen, dass die App sehr fälschungssicher sei – und dass sie im Kosovo sehr gut funktionieren werde, weil die Netze dort gut ausgebaut sind.

"Klar gibt es den Personalausweis mit dem Chip drin, aber den kann man eben am Smartphone nicht nutzen, sondern braucht einen Chipkartenleser. Und das wird sich auch in näherer Zukunft nicht ändern."
Alexander Spier, Redakteur der Zeitschrift C't

Bei uns in Deutschland sind wir noch nicht so weit. Es gibt die Bahncard in digitaler Form, auch Bahntickets oder Flugtickets und Kinokarten. Aber Dokumente? Eher nicht. 

Immerhin entwickelt sich das Bezahlen per Smartphone gerade weiter, zum Beispiel mit Paypal friends und teilweise auch mit der Girocard, beziehungsweise Kreditkarte. Die großen Bezahlsysteme wie Androidpay oder Applepay sind bei uns noch nicht gestartet. Alexander Spier von der IT-Zeitschrift C’t sagt, dass das typisch Deutsch ist: Bei uns wird Datenschutz extrem hochgehängt. Und im Vergleich zu anderen Ländern sind wir noch sehr klassisch mit Bargeld unterwegs.

"Offizielle Dokumente - da fühlt man sich nicht so richtig sicher, da hat man Angst, dass es geklaut oder missbraucht wird. Und deswegen ist das in Deutschland sehr schwierig durchzusetzen."
Alexander Spier, Redakteur der Zeitschrift C't

Also bis wir bei einer Verkehrskontrolle den Polizisten das Smartphone hinhalten, könnte es noch etwas dauern.

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