Der griechische Finanzminister tourt durch Europa. Er fährt kein Motorrad. Er zeigt keinen Stinkefinger, nichtmal als Fake. Er ist irgendwie unsexy. Eine Homestory mit Euklid Tsakalotos dürfte es jedenfalls nicht so bald geben. Ziemlich langweilig und uninteressant. Oder?

Yanis Varoufakis war Medienliebling. Fast täglich haben Radio, Zeitungen und TV-Nachrichten über ihn berichtet und erzählt, was er gerade anhat, wie sieht er aus, wie er sich so benimmt. Ab und zu berichteten die Medien sogar, was Varoufakis in der griechischen und europäischen Politik so treibt. Und Euklid Tsakalotos? Der startet nun als neuer griechischer Finanzminister und tourt erstmal quer durch Europa, um über Finanzpolitik zu diskutieren. Das interessiert nur irgendwie niemanden so richtig.

"Euklid Tsakalotos ist wie so ein Bettelmönch durch die Hauptstädte Europas unterwegs."
Thomas Bormann, Griechenland-Korrespondent, über die Europareise des griechischen Finanzministers

Seit nun schon sechs Jahren steckt Griechenland tief in der Krise. "Wenn das Land nicht neue Hilfen bekommt, wird es in die Pleite stürzen", sagt unser Griechenland-Korrespondent Thomas Bormann. "Neue Hilfskredite gibt es aber nur, wenn sich Griechenland an die Sparvorgaben hält." Zum Beispiel sollen nach europäischer Vorstellung die griechischen Renten gekürzt werden. Tsakalotos versucht, die Sparvorgaben möglichst milde zu halten.

Finanzminister mit Rucksack

Wichtig ist Tsakalotos' Arbeit und seine Reise also auf jeden Fall. Nur macht er das auf eine bescheidene und deutlich leisere Art und Weise, als es sein Vorgänger, der polternde Varoufakis, gemacht hat. Tsakalotos hat aber eigene Stärken: Er hat knallhart durchgerechnete Konzepte und Tabellen. Das kommt bei Europas Finanzministern gut an. "So können die Probleme in Griechenland tatsächlich gelöst werden", sagt Thomas Bormann. Auch wenn es damit keine knallbunten Schlagzeilen gibt.

"Tsakalotos hat immer so einen alten, abgegriffenen, knallroten Rucksack auf - und da hat er seine Akten drin und ist bestens vorbereitet."
Thomas Bormann über die Qualitäten des neuen Finanzministers