Russlands Krieg gegen die Ukraine richtet sich auch gegen Wohlstand und Demokratie, sagt Gesine Dornblüth. Wladimir Putins Äußerungen zum möglichen EU Beitritt der Ukraine bezeichnet die ehemalige Russlandkorrespondentin als scheinheilig.

Bald wird vermutlich das EU-Beitrittsverfahren für die Ukraine eröffnet. Der Beschluss der EU-Staats- und Regierungschefs muss einstimmig getroffen werden. Schon die Empfehlung der Europäischen Kommission für ein Beitrittsverfahren seines Landes hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj als historisch begrüßt.

Neben der Ukraine soll voraussichtlich auch die Republik Moldau den Status eines Beitrittskandidaten erhalten –Georgien hingegen nicht. Der russische Präsident Wladimir Putin hat erklärt, er habe nichts gegen einen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union. Souveränen Staaten stehe die Wahl ihrer ökonomischen Bündnisse zu. Eine scheinheilige Äußerung ist das, sagt Gesine Dornblüth und begründet: "Putin spricht der Ukraine die Souveränität ab."

Erinnerung an 2013

Zu den Gründen für den Krieg Russlands gegen die Ukraine gehöre eben auch, Wohlstand und Demokratie aus Russlands unmittelbarer Nachbarschaft fernzuhalten, erklärt die ehemalige Dlf-Russlandkorrespondentin.

"Ein Motiv des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist, Wohlstand und Demokratie in der russischen Nachbarschaft zu verhindern, damit das nicht abfärbt auf Russland."
Gesine Dornblüth, Autorin und ehemalige Dlf-Russlandkorrespondentin

Sie weist darauf hin, dass die Ukraine bereits 2013 unmittelbar vor der Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union stand. Der damalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch unterzeichnete das Abkommen nach einem Gespräch mit Wladimir Putin nicht.

Unvermindert schwere russische Angriffe

Als Gründe nennt Gesine Dornblüth, dass Viktor Janukowitsch massiv Geld und die Zusage russischer Unterstützung erhalten habe. Heute lebt er im russischen Exil und ist 2019 wegen Hochverrats durch ein ukrainisches Gericht zu 13 Jahren Haft verurteil worden.

"Ob diese noch stärkeren Kampfhandlungen ausgerechnet mit EU-Entscheidungen zu tun haben oder mit taktischen Entscheidungen, ist nicht so klar."
Gesine Dornblüth, Autorin und ehemalige Dlf-Russlandkorrespondentin

Russland führt seinen Angriff mit noch gesteigerter Härte fort (Stand 23.06.2022). Die Raketenangriffe auf Charkiv im Osten und Mykolajiw im Süden haben sich verstärkt, berichtet Gesine Dornblüth. Im Donbass seien die Kämpfe sehr heftig. Die folgende interaktive Karte des Institute for the Study of War zeigt den Frontverlauf.

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Die ehemalige Dlf-Russlandkorrespondentin weist außerdem darauf hin, dass die ukrainische Armee im Süden des Landes Gegenoffensiven im Raum Kherson durchführt – auch mit Hilfe von Partisanen. Gut die Hälfte der russischen und pro-russischen Separatisten im Donetsk soll verwundet oder getötet worden sein.

Die Kämpfe um die Schlangeninsel vor Odessa gingen unterdessen unvermittelt weiter, berichtet Gesine Dornblüth. Diese Insel sei insbesondere für die Kontrolle des Luftraums über dem schwarzen Meer wichtig

Unser Bild zeigt Ukrainerinnen und Ukrainer, die am 23.06.2022 in Brüssel für den Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union demonstrieren.

  • Moderatorin:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartnerin:  Gesine Dornblüth, Autorin und ehemalige Dlf-Russlandkorrespondentin