Jeder will etwas dazu beitragen, um den Klimawandel zu stoppen und spart Strom. Das bringt aber nichts, sagt der Ökonom Grischa Perino.

"Licht aus", schimpfen immer alle. Allerdings bringt das nicht wirklich etwas. Grund ist der europäische Emissionshandel, sagt Grischa Perino. Der Umweltökonom hat in einer Studie untersucht, was mit der gesparten Energie passiert. Sparen wir zum Beispiel Strom, verringert sich dadurch der CO2-Ausstoß der deutschen Stromwirtschaft. Also erst einmal ein positiver Effekt.

"Wenn Sie das Licht ausschalten, sparen Sie damit Strom, Ihre Stromrechnung geht nach unten. Wenn Sie Glück haben, wird weniger Kohlestrom produziert."
Grischa Perino, Umweltökonom

Doch jetzt kommt der europäische Emissionshandel ins Spiel. Der deckt rund die Hälfte aller Treibhausgasemissionen in der EU ab. Die EU hat eine Höchstmenge an zulässigen CO2-Emission für ganz Europa bis 2030 festgelegt. Paradoxerweise führen eingesparte Emission nicht automatisch dazu, dass der CO2-Ausstoß sinkt, sondern sie werden zwischen den Unternehmen gehandelt, so dass der Ausstoß immer gleich hoch bleibt, nämlich immer am Limit der zulässigen europaweiten Höchstmenge. Dadurch werden Emissionen nur von einem zum anderen Unternehmen verschoben.

Weniger Fleisch essen hilft

Selbst wenn in Deutschland ein Kohlekraftwerk seinen Ausstoß reduziert oder sogar ganz abgeschaltet wird, ändert sich nichts an der Gesamtemission in Europa, sagt Grischa Perino. Ob weniger Heizen die Treibhausgasemissionen reduziert, hängt von der Art der Heizung ab. Mit Strom betriebene Nachtspeicheröfen sind durch den Emissionshandel klimaneutral. Gas und Ölheizungen jedoch nicht, dort führt eine bessere Isolierung oder weniger Heizen zu weniger Emissionen. Denn der private Gas- und Benzinverbrauch unterliegen nicht dem Emissionshandel.

"Das Entscheidende, wenn man klimafreundlich konsumieren oder leben will, ist, dass die vermiedenen Emissionen nicht Teil dieses Emissionshandels sind."
Grischa Perino, Umweltökonom

Emissionen können wir demnach nur vermeiden, wenn wir Energien oder Produkte einsparen, die außerhalb des Emissionshandels liegen. Oder wir bringen die Politiker dazu, die Anzahl der Emissionsrechte zu reduzieren, rät Grischa Perino. Außerdem könnten wir als Konsumenten selbst Emissionsrechte kaufen und sie so stilllegen. Der Umweltökonom räumt ein, dass das für eine Privatperson schwierig sei. Allerdings würden Umweltschutzorganisationen Emissionsrechte anbieten wie zum Beispiel Atmosfair, die für acht oder zehn Euro pro Tonne CO2-Rechte verkaufen. Dadurch werden diese Rechte stillgelegt und können beispielsweise von einem Kohlekraftwerk nicht mehr benutzt werden, erklärt Grischa Perino.

Klimawirksame Maßnahmen

Wenn wir Benzin oder Diesel einsparen, weniger heizen und Fleisch essen, hat das direkte Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß, weil diese Bereiche nicht durch den Emissionshandel abgedeckt sind.

Als Alternativen zum Emissionshandel schlägt Grischa Perino eine CO2-Steuer vor, weil über eine Steuer nicht die Menge, sondern der Preis festgelegt wird. Eine Emissionssteuer müsste aber die Europäische Union einstimmig beschließen und das sei politisch schwierig durchzusetzen, sagt Grischa Perino. Außerdem könnte die EU die Regeln des Emissionshandels ändern und die angebotene Menge an Emissionsrechten vom Preis abhängig zu machen. Aber auch diese Alternativ sei politisch derzeit nicht umsetzbar, sagt Grischa Perino.

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