Eine europaweite Studie hat das unterschiedliche Wahlverhalten von Menschen in der Stadt und auf dem Land untersucht. Dabei kam heraus: Auf dem Land sind die Menschen konservativer eingestellt als in der Stadt.

Das Wahlverhalten aller 27 EU-Staaten sowie der Schweiz, Norwegen und des Vereinigten Königreichs haben zwei Wissenschaftler der Uni Cambridge genauer unter die Lupe genommen. Dafür haben sie Meinungsumfragen der European Social Survey, die von 2002 bis 2018 alle zwei Jahre durchgeführt wurden, ausgewertet.

Gefragt wurde beispielsweise nach den Einstellungen zu den Themen Migration, Globalisierung und dem Vertrauen in politische Institutionen. Zudem wurden die Lebensumstände wie Alter, Bildungsstand, Geschlecht, Beruf und eben der Wohnort abgefragt. Dabei haben die Forscher festgestellt, dass es bei der politischen Einstellung überall Stadt-Land-Unterschiede gab.

Je ländlicher, desto konservativer

Vor allem auffällig war: Je ländlicher die Menschen wohnen, desto weniger offen sind sie gegenüber Migration und Globalisierung. Zudem seien die Menschen auf dem Land unzufriedener mit der Demokratie als die Menschen in der Stadt, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ann-Kathrin Horn.

"Je ländlicher die Menschen wohnen, desto konservativer sind ihre politischen Ansichten.“
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Allerdings konnten die Forscher auch feststellen, dass die Menschen in ländlicheren Regionen eher wählen gehen als in der Stadt. Das bedeute gleichzeitig, dass populistische Parteien auch mehr Stimmen erhielten, denn das seien die Parteien, die das bestehende politische System ändern wollen.

Unser Wohnort prägt uns

Natürlich spielen auch Alter, Bildung und Beruf eine Rolle bei politischen Ansichten, allerdings sagen die Forscher auch, dass der Wohnort keine zu vernachlässigende Komponente ist. Unser Wohnort könne beispielsweise unsere Persönlichkeit prägen, was wiederum Auswirkungen auf unsere politischen Einstellungen haben kann.

Die Forschenden vermuten zum Beispiel, dass Menschen in ländlichen Regionen mehr damit zu kämpfen haben, wenn es wirtschaftlich bergab geht. Außerdem gebe es auf dem Land andere kulturelle Identitäten, also andere Werte.

Menschen auf dem Land nicht vergessen

Eine weitere Überlegung ist auch, dass sich die Menschen auf dem Land von der Politik weniger wahrgenommen fühlen als in der Stadt. Schon rein geografisch gesehen ist das so, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ann-Kathrin Horn.

Deshalb müssten Politikerinnen und Politiker beispielsweise bessere wirtschaftliche Möglichkeiten bieten und sich Konzepte überlegen, wie sie das Vertrauen der Menschen zurückholen könnten, sagen die Forscher.