Auch in Deutschland gibt es evangelikale Christen und manche haben Verbindungen zu Pegida oder auch zur AfD. Der Historiker Michael Lühmann sieht einen deutschen Bible Belt, vor allem in Sachsen und auch rund um Stuttgart.

Der Begriff Bible Belt, übersetzt Bibel-Gürtel, stammt aus den USA. Im Südosten gibt es dort Regionen, in denen besonders viele Menschen streng gläubig sind. Vor allem evangelikale Protestanten. Aber auch in Deutschland gibt es Regionen, wo verstärkt bibeltreue Menschen leben. Das sei nicht neu und auch gar nicht problematisch, so Michael Lühmann. "Jeder soll die Bibel so eng und streng auslegen, wie er das möchte."

Ein Problem entstehe aber dann, wenn die religiösen Überzeugung im "Gegensatz zur Demokratie" steht, so der Historiker und Politikwissenschaftler. Nicht jeder evangelikale Christ sei auch rechts, so Michael Lühmann. Aber Evangelikale seien meist offener für Feindbildkonstruktionen, wie zum Beispiel die Gegnerschaft zum Islam.

"Nicht jeder evangelikale Christ ist ein Rechter. Aber es gibt größere Offenheiten für Feindbildkonstruktionen."
Michael Lühmann, Historiker und Politikwissenschaftler

Diese Ablehnung des Islam habe zum Beispiel Pegida sehr stark geprägt. Die Bewegung mobilisiert Leute im Erzgebirge in Sachsen, um das Abendland zu verteidigen, das Pegida-Anhänger bedroht sehen. Und das passiere gemeinsam mit evangelikalen Kreisen, so der Historiker.

Bibeltreue gemischt mit Feindbildern

Neben dem Erzgebirge gibt es auch im Osten von Sachsen sowie rund um Stuttgart, einschließlich der Schwäbischen Alb, eine Häufung von bibeltreuen, christlichen Evangelikalen. In diesen Regionen war die AfD bei der Bundestagswahl 2013 besonders erfolgreich – es war das erste Mal, dass sich die Partei für den Bundestag zur Wahl stellte.

"Als die AfD 2013 zum ersten Mal zur Bundestagswahl antrat, gab es in den evangelikalen Gebieten die höchsten Ergebnisse für die Partei."
Michael Lühmann, Historiker und Politikwissenschaftler

Evangelikale Christen sind meist Abtreibungsgegner. Sie orientieren sich an einer strengen Auslegung der Bibel. Sie unterstützen zum Beispiel den "Marsch für das Leben" – eine Veranstaltung, die sich gegen Abtreibung richtet. Mit der "Demo für alle" wurde die schulischen Sexualerziehung kritisiert. Insgesamt lasse sich Ablehnung einer sich modernisierenden Gesellschaft erkennen, so Michael Lühmann.

Verbindungen mit Rechten

Außerdem existieren Netzwerke zwischen evangelikalen Christen und der Rechten. Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, ihr Ehemann Sven von Storch sowie die Aktivistin Hedwig von Beverfoerde zum Beispiel würden Christen quasi in neurechte Konstruktionen mit einbinden, so Michael Lühmann.

"Sie werden nicht die Republik umstürzen können. Aber wir müssen uns bewusst machen, dass es ein Puzzleteil ist, um zu erklären, wo Gegnerschaft gegen Staat auch herkommt."
Michael Lühmann, Historiker und Politikwissenschaftler

Mit Blick auf die USA zeigt sich, dass evangelikale Christen eine große Mobilisierungskraft entfalten können. "Das hat einen Donald Trump mit hervorgebracht", sagt Michael Lühmann.

In Deutschland sei dieser Bible Belt nicht so ausgeprägt und nicht so stark wie in den USA. "Aber ich möchte darauf hinweisen, dass es das gibt." In Sachsen zum Beispiel seien die Evangelikalen innerhalb der Landeskirche organisiert. "Sie haben es mit ihrer Mehrheit geschafft, Bischof Carsten Rentzing zu wählen, der dann zurücktreten musste, weil er in seiner jungen Zeit ein extrem rechtes Magazin publizierte."