Ein Embryo hat im letzten Drittel der Schwangerschaft 15 Minuten lang Schluckauf pro Tag. Ein Team von britischen Forschenden hat untersucht, wie sich Schluckauf bei Säuglingen auf die Aktivität in ihrem Gehirn auswirkt und welche Funktion er möglicherweise erfüllt.

Ab der neunten Schwangerschaftswoche kann ein Fötus im Mutterleib schon Schluckauf bekommen. Im letzten Drittel der Schwangerschaft beschäftigt das Hicksen die Embryonen jeden Tage etwa 15 Minuten lang. Frühere Studien an Neugeborenen haben Schluckauf als eine wichtige motorische Aktivität identifiziert. Ein Forscherteam vom University College London hat im Rahmen einer kleinen Studie Neugeborene auf einer Säuglingsstation untersucht, um herauszufinden, was genau im Gehirn passiert, wenn Babys Schluckauf haben.

"Diese dritte Hirnwelle interpretieren die Forschenden so, dass die Babys damit auf das Geräusch des Hicksens reagieren – und es im Gehirn mit der Muskelkontraktion, vorher im Zwerchfell, verknüpfen."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Um die Neugeborenen untersuchen zu können, haben die Forschenden Elektroden an den Köpfen der Babys angebracht. Damit wurde bei jedem Säugling 70 bis 90 Minuten lang die Hirnaktivität gemessen. Weiter unten am Körper der Babys wurden Sensoren angebracht, die ihre Bewegungen aufgezeichnet haben. Das heißt: Wenn die Babys Schluckauf hatten – das passiert vor allem, wenn sie wach sind – dann konnten die Forschenden sehen, welche Bewegungen das auslöst und welche Aktivität das Gehirn in diesen Momenten zeigt.

Das Baby lernt sensorische Eindrücke zu verarbeiten

Die Forschenden beschreiben den Vorgang des Schluckaufs detailliert im Fachmagazin "Clinical Neurophysiology": Zuerst zieht sich das Zwerchfell des Neugeborenen zusammen, also die Platte aus Muskeln und Sehnen zwischen Brust- und Bauchhöhle. Das löst den Schluckauf aus, der als lautes Hicksen zu hören ist.

Im Gehirn werden dadurch zuerst zwei große Gehirnwellen ausgelöst, die von einer dritten gefolgt werden. Diese dritte Hirnwelle interpretieren die Forschenden so, dass die Babys damit auf das Geräusch des Hicksens reagieren. Das Gehirn verknüpft das Geräusch mit der Muskelkontraktion des Zwerchfells. Das heißt, das Gehirn der Babys lernt, verschiedene sensorische Eindrücke zu verarbeiten und miteinander in Verbindung zu bringen.

"Die Forschenden vermuten, dass die Babys durch den Schluckauf lernen, ihre Atemmuskulatur wahrzunehmen."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Die Forschenden vermuten, dass die Babys durch den Schluckauf lernen, ihre Atemmuskulatur wahrzunehmen. Denn wenn sich unser Zwerchfell zusammenzieht, führt das dazu, dass wir einatmen.

Babys lernen ihre Atemmuskulatur zu kontrollieren

Und so lernen die Babys wahrscheinlich nach und nach durch den Schluckauf, wie sie ihre Atemmuskulatur bewusst kontrollieren können, indem sie das Zwerchfell auf und ab bewegen. Aber wieso haben Erwachsene dann noch Schluckauf? Das Forscherteam nimmt an, dass Schluckauf bei Erwachsenen ein Überbleibsel der Evolution ist. Das heißt, ein alter Reflex aus dem Säuglingsalter, der damals noch eine wichtige Funktion hatte, später aber eben nicht mehr.