Heute (12.06.14) auf der Eröffnungsfeier zur Fifa WM 2014 soll ein gelähmter Mann einen Ball in Richtung Tor treten. Möglich ist das durch ein neues Exoskelett, eine Art Roboteranzug, der große Dinge verspricht.

Was genau den Zuschauer auf der Eröffnungsfeier zur WM in Brasilien erwartet, ist nur schwer herauszubekommen. Bisher gibt es nur vereinzelt Bilder, auf denen viele nackte Metallplatten, Kabel oder Motoren zu sehen sind. Kurz vor der Eröffnung sind die Forscher, die an dem Projekt mit dem Namen "Walk Again" arbeiten, zu beschäftigt für nähere Details. Außerdem verordnet ein Vertrag mit der Fifa die Kooperation von Wissenschaftlern aus den USA, Brasilien, Schweiz und Deutschland über das Projekt zu schweigen.

Exoskelette gab es schon vorher, doch dieses ist neu

Soviel weiß man, das Gerät arbeitet mit Elektroden, die auf dem Kopf sitzen und die Gehirnaktivität aufzeichnen. Sogenannte Gehirnwellen-Algorithmen werten die Signale aus, erkennen die Bewegungsabsicht, ein Computer im Rückenteil steuert dann Motoren in den Beinen an. Tatsächlich hat es die Steuerung über Gehirnwellen so noch nicht gegeben. Andere Geräte werden durch Gewichtsverlagerung gesteuert, oder sie detektieren bei nur teilweise Gelähmten Nervenimpulse in den Muskeln und erkennen, wenn ein Mensch sich bewegen will. Eine weitere Variante ist die schrittweise Steuerung mit einer Fernbedienung.

"It's a terrifying feeling, when you cannot feel, that you're touching the ground, when you're making contact, when you're hitting the ground."
Gordon Cheng, Leiter des Münchener Forschungskooperation Abteilung München

Auch in einem anderen Punkt ist das Exoskelett fortschrittlicher als die bisherigen Modelle: Seinem Träger sendet es ein Feedback, wenn er den Boden berührt, als Vibration am Nacken oder am Oberarm. Probanden sollen gesagt haben, es fühle sich wirklich so an, als würden sie Sand unter ihren Füßen spüren.

Hochemotionale Bilder werden erwartet

Mithilfe dieses Skeletts soll heute Abend auf der Eröffnungsfeier der WM ein von der Hüfte abwärts gelähmter Teenager seinen Rollstuhl verlassen und Fußball spielen. Sicherlich aber wird sich jetzt nicht jeder Rollstuhlfahrer morgen ein solches Exoskelett kaufen können und den Rollstuhl wegstellen. Auch gibt es Menschen, die das gar nicht wollen, weil sie glücklich sind mit ihrem Leben trotz Behinderung. Raul Krauthausen hat die Glasknochenkrankheit und sitzt im Rollstuhl. Im Gespräch mit DRadio-Wissen-Moderator Paulus Müller warnt Raul Krauthausen vor dem Freakshow-Moment bei der Eröffnungsfeier:

Raul Krauthausen setzt sich ein für eine barrierefreie Welt
"Wir sehen einen vermeintlich bemitleidenswerten Menschen, der dann endlich wieder zum Glück aller laufen kann (…) Es wird damit indirekt kommuniziert, dass man im Rollstuhl zwangsläufig immer leidet. Und das ist Bullshit!"

DRadio-Wissen-Autor Thomas Reintjes vermutet hinter dem Vorhaben vor allem auch eine gigantische PR-Aktion, um Geldgeber für das aufwendige Forschungsprojekt zu sammeln, damit es ein marktfähiges Produkt werden kann. Neben den spärlichen Informationen, die es nach der großen Ankündigung gab, postete die Forschungskooperative vor drei Wochen ein Video auf dem man vor allem sieht, dass noch viel Entwicklungsarbeit nötig ist.

Mit einem Rollstuhl ist jeder Querschnittsgelähmte schneller und sicherer unterwegs. Das mussten auch schon die Hersteller anderer Modelle erkennen, die versprochen hatten, Rollstühle zu ersetzen. Ihre Exoskelette werden momentan hauptsächlich für die Reha eingesetzt und noch fehlt der Beweis, dass sie besser sind als klassische Reha-Methoden und -Geräte.