Alexander Gerst ist auf der ISS angekommen. Sein Aufenthalt in der Schwerelosigkeit ist kein Urlaub, sondern harte Forschungsarbeit. Darüber haben wir mit einem Astrophysiker gesprochen.

Seit dem 6. Juni ist Alexander Gerst wieder im All unterwegs. Inzwischen hat die Raumkapsel mit Serena Auñón, Sergei Prokopjew und ihm an der Internationalen Raumstation angedockt. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit der Astronauten: Experimente, die die Wissenschaftler im schwerelosen Raum durchführen sollen. Über 50 Versuche sind geplant, heißt es seitens der ESA.

"Ab und zu geht es mir mal auf die Nerven, wenn meistens über nur eine Person geredet wird, aber bei Alexander Gerst ist das nicht der Fall."
Michael Büker, Astrophysiker

Die Aufregung um Alexander Gerst und seine Reise zur ISS ist groß. Der Geophysiker ist auch dank geschickten Marketings zum Star geworden und hebt sich von der Liste deutscher Raumfahrer doch deutlich ab. Vergleichbar populär war vor ihm vielleicht noch der Physiker Ulf Merbold. Dieser war zuletzt 1994 im All unterwegs.

Nutzen rechtfertigt Raumfahrtkosten 

Der Astrophysiker Michael Büker findet, dass der Rummel um Alexander Gerst nicht groß genug sein kann. Er glaubt, dass die Kosten der Expedition pro EU-Bürger pro Jahr für den wissenschaftlichen und kulturellen Nutzen gerechtfertigt sind. Im Vergleich entspricht das dem Preis einer Tasse Kaffee pro EU-Bürger.

Das Budget der ESA beläuft sich nur für die Internationale Raumstation ISS auf hundert Milliarden Euro in zehn Jahren – also zehn Milliarden Euro jährlich für die ISS. Diese Angaben stammen laut Webseite von 2013. Höhere Kosten zeichnen sich ab: Nach 2024 wollen die Amerikaner aus dem Projekt aussteigen. Der amerikanische Präsident Donald Trump hat auf gewohnt polemische Art die Privatisierung der Raumfahrt angeregt.

Michael Büker hingegen sieht auf der ISS große Möglichkeiten für die Material- und die Medizinforschung. Die Raumstation und die bemannte Raumfahrt sind für ihn wichtige wissenschaftliche Vorhaben. 

"In der Schwerelosigkeit auf der ISS können sich Krebszellen, die man zum Test züchtet, in drei Dimensionen ausdehnen - anders als in einer Petrischale."
Michael Büker, Astrophysiker

Die European Space Agency gibt als Ziel der laufenden Mission an: Alexander Gerst solle vor allem die Zusammenarbeit mit Robotern für die weitere Erschließung unseres Sonnensystems austesten. Dazu gehört im weiteren Sinne auch die Arbeit mit dem Assistenzroboter Cimon. Als konkretes Beispiel nennt die ESA die Steuerung eines Entdeckungsfahrzeugs.

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