Katar will seine Milchwirtschaft ausbauen und zwar mit Holstein-Kühen. Wir haben nachgehakt: Warum genau diese Kühe?

In dieser Woche starteten 165 Holstein-Kühe aus Budapest ein neues Leben in der Wüste. Sie sind Teil von Katars Plan, seine Milchwirtschaft auszubauen. Aufgrund des Embargos durch Saudi-Arabien (Das Land wirft Katar die Unterstützung von Terroristen vor), will das reiche Katar verstärkt auf Eigenversorgung setzen.

Klimatisierte Ställe in der Wüste

Mittwochnacht landete der erste Flieger mit den Tieren in Doha. Sie sind die ersten von insgesamt 4.000 Rindern, die die katarische Milchproduktion ankurbeln sollen.

Dass die Wahl ausgerechnet auf Holsteinkühe aus deutscher Zucht fiel, sei eine gute Wahl, erklärt der Landwirt und Kuhexperte Henk Blok: Sie gehören ganz einfach zu den leistungsstärksten Kühen überhaupt in der Milchproduktion. So kommt eine Kuh auf durchschnittlich 9.000 Liter Milch pro Jahr. Das sind etwa 24 Liter pro Tag.

Dafür brauchen sie allerdings die entsprechenden Bedingungen, erklärt der Landwirt, der auch auf die  Pflege von Milchkühen aller Art spezialisiert ist. Rein klimatisch zumindest sind die Umstände in Katar nicht optimal. Bis zu 40 Grad Celsius sind hier keine Seltenheit. Die Temperatur für die Tiere zu senken, sei zwingend, so Henk Blok: "Denn sonst würden die Tiere das kaum aushalten."

Deshalb werden die Tiere in der Nacht eingeflogen und statt auf der Weide in klimatisierten Ställen untergebracht. Henk Blok erklärt, wie solche hochmodernen Ställe aussehen könnten:

"Normalerweise sind die Ställe mit Liegeboxen ausgestattet. Außerdem gibt es isolierte Dächer und darunter gibt es jede Menge Ventilatoren. Vermutlich gibt es dazu noch eine Wasserkühlung, die wie eine Art Nebel über die Kühe geht."
Henk Blok, Landwirt und Kuhkenner

Per Hand gemolken, sagt Henk Blok, werde heute ohnehin kaum mehr, auch Melkmaschinen, die manuell angelegt werden, sind nicht mehr die fortschrittlichste Lösung. Mittlerweile gibt es Melkroboter, hierbei soll die Kuh 24 Stunden am Tag wählen können, wann sie gemolken werden will. Anhand eines digitalen Halsbandes erkennt die Maschine, ob die Kuh berechtigt ist gemolken zu werden.

"Dann geht die Tür auf, sie läuft zu ihrem Futter rein, ein Maschinen-Arm mit einer Kamera fährt unter die Kuh und der steckt automatisch jeden Becher an die Zitzen."
Henk Blok, Landwirt und Kuhkenner

Wie gut sich die Kühe einleben, wird sich dann sicherlich auch in Milch messen lassen. Wenn es gut läuft, dann könnten es bei 4.000 Kühen bis zu 36 Millionen Liter Milch im Jahr werden. Heruntergerechnet auf die katarische Bevölkerung wären das 13,3 Liter Milch pro Einwohner im Jahr. 

Noch aber sind weitere Holsteinkühe aus Australien und den USA erst auf dem Weg nach Katar. Und auch die Pläne mit den Kühen sind noch nicht am Ende, zumindest wenn es nach dem Unternehmer Ramez Al Khayyat geht, der die Transporte initiiert hat: „Wir streben an, die Unabhängigkeit bei der Milchversorgung in den kommenden ein bis zwei Jahren zu erreichen.“ Bis zu 25.000 Milchkühe, so die Vision des Unternehmers, könnte es zukünftig in Katar geben.

Ramis Al Chajat, Vize-Präsident der katarischen Firma Baladna
© dpa
Ramez Al Khayyat, Vize-Präsident der katarischen Firma Baladna, die den Viehimporte organisiert hat.