Seit 1990 gibt die Weltbank Zahlen über die Armutsentwicklung in der Welt heraus. Zwei Wissenschaftler werfen der Bank vor, wichtige Aspekte zu unterschlagen. Laut der Berechnung der Forscher ist die Zahl der Kinder, die unter der Armutsgrenze leben, mehr als dreimal so groß wie von der der Weltbank angegeben.

Grundlage der Weltbank-Berechnungen ist die Kauf­kraft: Wer weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zum Überleben hat, der lebt in extremer Armut. Laut Weltbank lebten 2010 rund 1,2 Milliarden Menschen in extremer Armut, das sind etwa 700 Millionen Menschen weniger als 1990. Für die Millenniums-Ziele der Vereinten Nationen ist das eine günstige Entwicklung: Sie wollen bis 2015 die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, halbieren. Bis 2030 soll extreme Armut sogar ganz verschwinden.

Dreimal so viel Kinder unter Armutsgrenze als angenommen

Christopher Deeming von der University of Bristol und Bina Gubhaju von der Australian National University berücksichtigen in ihre Berechnungen über extreme Armut jedoch auch Faktoren wie Wohnraum, Hygiene, Gesundheit, Nahrung und Zugang zu Information und Bildung. Nach der Berechnung der Weltbank leben weltweit 5 Prozent der Kinder unter der Armutsgrenze, nach der Berechnung der Wissenschaftler sind es 17 Prozent.

Ziele erreicht?

Diese alternative Berechnung stellt infrage, ob die UN ihr Millenniumsziel tatsächlich schon fast bis zur Hälfte erreicht hat. Aber selbst wenn die Berechnung der Weltbank richtig ist und die extreme Armut sinkt, so wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer. Inzwischen besitzen die 85 reichsten Menschen so viel wie die arme Hälfte der Menschheit zusammen - das sind 3,6 Milliarden Menschen, stellt der "2014 State of the Future Report" fest.