Die Reichen bleiben wohl gerne unter sich, wie? Zumindest digital. Wer viel Geld hat, hat laut einer Studie weniger internationale Facebook-Freunde als arme Menschen. Die sind ziemlich gut vernetzt.

Tatsächlich scheint es Unterschiede in den sozialen Schichten zu geben, was die Freundschaftsstruktur angeht. Zumindest auf Facebook, zumindest bei den untersuchten Menschen. Wissenschaftler aus Cambridge haben den Zusammenhang festgestellt, dass reiche Leute weniger Freunde in anderen Ländern haben. Für ihre Studie haben die Wissenschaftler 900 Menschen in den USA direkt gefragt, die haben ihnen dann die Informationen über ihr Einkommen gegeben. Außerdem bekamen sie Zugang zu den Facebook-Accounts und konnten sich diese genau anschauen.

"Die Personen aus den unteren sozialen Schichten hatten mehr Freunde in anderen Ländern als die reicheren Leute. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern sie hatten fast doppelt so viele internationale Freunde."
DRadio-Wissen-Autorin Aglaia Dane über die Studie zur Facebook-Freundschaftsstruktur

Das gilt im übrigen nicht nur für Personen, sondern sogar für ganze Länder. In ärmeren Ländern pflegen die Menschen insgesamt auch internationalere Freundschaften als in reichen Ländern. Das haben die Forscher durch Daten herausbekommen, die ihnen Facebook selbst zur Verfügung gestellt hat - insgesamt 60 Milliarden Freundschaftsbeziehungen aus dem Jahr 2011.

"Das gleiche Ergebnis: armes Land, mehr Facebook-Freundschaften im Ausland, etwa 35 Prozent. Reiches Land, weniger internationale Freundschaften, im Schnitt 28 Prozent. Also ein Unterschied von 7 Prozentpunkten."
DRadio-Wissen-Autorin Aglaia Dane über die Studie zur Facebook-Freundschaftsstruktur

Wo es viele internationale Freundschaften gibt, und wo eher wenige, haben die Forscher auf einer Weltkarte farbig markiert. Deutsche haben eher wenige Freundschaften im Ausland. Genauso sieht es in den meisten europäischen Ländern aus. Sehr viele ausländische Freunde hingegen haben die Menschen in Weißrussland und Albanien oder Kasachstan, Afghanistan und Somalia.

Die Reichen mischen sich nicht gerne

Die unterschiedlichen Freundschaftsbeziehungen erklären die Forscher mit einer in der Soziologie ziemlich anerkannten Hypothese: "The rich don’t mingle." Also Reiche mischen sich nicht gerne unter Leute. Sie haben genügend Ressourcen, um ihr Leben zu meistern; sind nicht so auf andere angewiesen. Deshalb bleiben sie unter sich und damit ist ihr Umfeld begrenzt. Für ärmere Menschen sind soziale Kontakte viel wichtiger. Und damit auch Kontakte ins Ausland.