Die G7-Finanzminister sprechen bei ihrem Treffen in Frankreich unter anderem über Kryptowährungen. Seitdem Facebook angekündigt hat, mit Libra eine eigene Digitalwährung einführen zu wollen, kochen die Emotionen hoch. Wir versuchen, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.

Verbraucher- und Datenschützer, Politiker, Zentral- und Notenbanker – sie alle hat Facebooks Ankündigung, ins digitale Bankengeschäft einsteigen zu wollen, in helle Aufregung versetzt. Die geplante Kryptowährung "Libra" könne zu riesigen Problemen führen, glauben viele Experten.

"Faszinierend und riskant"

Libra sei ein außergwöhnlich faszinierendes Projekt mit sehr viel Erfolgspotential, sagt Philipp Sandner, der Leiter des Blockchain Centers an der Frankfurt School of Finance & Management. Gleichzeitig sei es aber auch ein sehr riskantes Projekt, wenn man etwa an die Datenskandale bei Facebook denkt, sagt Sandner.

"Bei Libra sind Feuer und Wasser ganz nah beieinander."
Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Centers an der Frankfurt School of Finance & Management

Im Kern sei Libra nichts anderes als ein System, das existierende Währungen wie den Euro oder den Dollar neu verpackt – und zwar über eine technisch neue Plattform, auf Blockchain-Basis: Buchungsvorgänge werden kryptografisch verschlüsselt in einer dezentralen Datenbank, der "Blockchain", aneinandergekettet. Sie ist eine Art riesiges Kontenbuch, das alle jemals getätigten Transaktionen enthält.

Existierendes Geld wird neu verpackt

Libra soll laut Facebook vor allem dort eingesetzt werden, wo Menschen keine Überweisungen vornehmen können – die Rede sei von hunderten Millionen Menschen zum Beispiel in (Entwicklungs-)Ländern in Südostasien, Afrika oder Südamerika, erklärt Sandner. Auch Geld über einen längeren Zeitraum aufzubewahren, sei dort manchmal aufgrund hoher Inflationsraten schwierig.

Aus Sandners Sicht ist Libra keine neue Währung, sondern "nur" ein neues Zahlungsmittel. Denn eine Währung sei etwas, was der Staat erlaubt und die Banken dann umtauschen müssen.

"Libra ist keine neue Währung, sondern ein neues Zahlungsmittel, also 'Kryptogeld'."
Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Centers an der Frankfurt School of Finance & Management

Wichtig sei die Wertstabilität des Kryptogelds, erklärt Sandner. Der Hamburger, der heute 3,50 Libra kostet, soll das morgen und in einem Monat auch noch tun.

Stabiles Geld

Der Libra wolle also der Inflation entgegenwirken. Genau damit unterscheide er sich auch massiv vom Bitcoin, der deutlichen Schwankungen ausgesetzt sei.

"Wegen seiner Schwankungen ist Bitcoin aus meiner Sicht der Gegenentwurf zu Libra."
Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Centers an der Frankfurt School of Finance & Management

Damit der Libra stabil bleibt, will Facebook bzw. das Libra-Konsortium existierende Währungen und Staatsanleihen einkaufen, erklärt Sandner. Mit diesem Geld werde dann sozusagen das Blockchain-basierte System befüllt. Die Deckung des Libra-Geldes ist also zu hundert Prozent durch die real existierenden Währungen und Staatsanleihen gesichert. Der Widerstand verschiedener Regierungen sei daher etwas übertrieben, sagt Sandner. Denn es werde kein neues Geld geschöpft.

Facebook und der Datenschutz

Das Libra-Projekt sei aber auch hochriskant, sagt Philipp Sandner. Denn Facebook sei kein Musterschüler in Sachen Datenschutz. Personalausweis- und Bankdaten auf einer Plattform zu bündeln, berge große Gefahren.

"Geld, Identität und persönliche Daten, alles gebündelt auf einer Plattform – das wäre der Supergau, weil es hunderte Millionen Menschen gläsern machen würde."
Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Centers an der Frankfurt School of Finance & Management

Die Warnungen und der zu beobachtende Widerstand gegen Libra sei aus dieser Sicht absolut gerechtfertigt, findet Sandner. Die Staaten und Behörden müssten hier genau darauf achten, dass keine (noch größere) Machtposition eines IT-Giganten entstehe.