Es wird ernst für Ebay. Facebook hat jetzt Marketplace in den USA vorgestellt. Und setzt dabei vor allem auf die mobile Smartphone-App.

Marketplace ist eigentlich ein völlig unspektakulärer, digitaler Marktplatz, auf dem Privatleute gebrauchte Sachen kaufen und verkaufen können. Trotzdem ist der Online-Flohmarkt für Facebook ein neues Geschäftssegment, mit dem Facebook die Firmen, die dort bisher unterwegs sind, einigermaßen nervös macht.

Facebook hatte die Marketplace-Idee sogar 2007 schon einmal ausprobiert. Damals war das Unternehmen damit erfolglos. Mittlerweile hat aber jeder ein Smartphone, und damit funktioniert die Idee viel besser, lokal nach Dingen oder eben nach Käufern oder Angeboten zu suchen.

Zielpublikum mobile Nutzer

Grundsätzlich gibt es bei Facebook auch Kauf- und Verkaufs-Foren. Bei Marketplace soll es anders funktionieren: Man guckt zum Beispiel auf sein Handy und sieht, dass in der Nähe jemand ein Regal verkauft. Facebook platziert den neuen Dienst in den USA ganz prominent - und zwar mit einem Marketplace-Button in der Mitte der unteren Menüleiste in der Mobil-App, wo vorher der Messenger-Button saß. Der ist dafür nach oben links neben das Suchfenster gewandert.

Es gibt keine Zahlungsabwicklung, kein Käufer- oder Verkäuferschutz. Käufer und Verkäufer einigen sich selbst über alle Modalitäten. Aber sie müssen auch keine Provision an Facebook zahlen. Es fehlt auch ein Bewertungssystem, also ein Schutz vor Betrug. Dadurch können gleichzeitig aber auch keine Bewertungen mehr gefälscht werden.

"Facebook erfindet das Rad nicht gerade neu, sondern springt auf den Zug Kaufs- und Verkaufsforen auf."
Netzautor Michael Gessat

In den USA macht Facebook damit vor allem dem Verkaufsportal Craigslist Konkurrenz. Facebook will Marketplace als eine Art freundlicheres, familienkompatibles Craigslist etablieren. Denn auf Marketplace werden die Facebook-Richtlinien gelten, also keine Anzeigen oder Verkaufsangebote für Drogen, Waffen und Sex.

In den USA tobt nämlich seit zig Jahren ein erbitterter Kampf um Craigslist. Dem Unternehmen wird - überwiegend von konservativen Politikern - vorgeworfen, es würde Zwangsprostitution und Menschenhandel fördern. Craigslist wiederum beruft sich auf die Rede- und Publikationsfreiheit in der US-Verfassung. Es gäbe also schon einen Bedarf für eine familienkompatiblere Plattform. Allerdings berichtete "Business Insider", dass offenbar auch schon auf Marketplace nach kurzer Zeit erste Angebote für Drogen, Sexkontakte und verbotenen Tierhandel aufgetaucht sind.

Nach Facebooks Marketplace-Ankündigung ging der Börsenkurs von Ebay erst mal 4,5 Prozent runter. Das Geschäftsmodell ist zwar anders, gleicht sich aber immer mehr an. Denn die Privatauktionen von gebrauchten Gegenständen sind gegenüber Neuverkäufen durch Profi-Verkäufer längst in den Hintergrund geraten.

Außerdem hat die jüngste Rechtsprechung hier in Deutschland das Hoch-Bieten mit Fake-Accounts verboten. Solche einst beliebte Methoden, den Verkaufspreis auf ein bestimmtes Level zu heben, funktionieren also nicht mehr. Da wird sich auch hier manch einer überlegen, ob er lieber woanders verkauft. Marketplace startet in den USA, Großbritannien und Australien. Bei Erfolg soll es dann weltweit eingeführt werden.