Was tun gegen Nazis und rechte Trolle im Netz? Bei Facebook melden bringt oft nichts, weil dort nicht ausreichend gelöscht wird. Wie aber wäre es, wenn wir damit zur Polizei gehen? Das wollte ein User aus Berlin wissen. Er hat die Facebook-Nutzerin Andrea J. angezeigt.

Sebastian Leber ist Reporter und Redakteur beim Berliner Tagesspiegel und hat dort in einem spannenden Beitrag die Geschichte eines Kumpels erzählt. Dem war im Netz die Nutzerin Andrea J. aufgefallen, die bei Facebook zum Beispiel dazu aufforderte, man solle alle Moslems erschießen. Die sagte, der Holocaust sei die größte und nachhaltigste Lüge der Geschichte. Und die hübsche gehäkelte, rote Hakenkreuz-Tischdeckchen auf dem Tisch liegen hatte und die Fotos davon postete. Sebastians Kumpel dachte: Mal schauen, was passiert, wenn ich mich an die Polizei wende - und nicht an Facebook.

Aufwendig ist das nicht. Im Netz hat jedes Bundesland eine eigene Seite, auf der ihr eine Strafanzeige hochladen könnt. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel unter https://service.polizei.nrw.de/anzeige. Ihr müsst nur eure Daten angeben, den Sachverhalt schildern. Und dann drückt ihr auf den Knopf "Anzeige an die Polizei übermitteln" und schon werden die aufgenommen Anzeigen an die zuständigen Reviere weitergeleitet. Genau das hat der Kumpel von Sebastian Leber gemacht. Und er bekam schon nach sechs Tagen die Nachricht eines Polizisten aus der bayerischen Kleinstadt, in der Andrea J. lebt.

Was dann passiert ist, darüber schweigt sich die Polizei natürlich aus. Die wütende Andrea J. hat auf Facebook allerdings detailliert berichtet, was danach geschah. Eine Woche hat es gedauert, dann klingelte es an Andrea J.s Wohnungstür: eine Hausdurchsuchung. Bei Facebook ereiferte sich Frau J. darüber, dass die Polizei bei dem Hausbesuch ihr Smartphone beschlagnahmt hätte. Darauf befänden sich heikle Bilder, zum Beispiel Fotos des Hakenkreuz-Tattoos, das sie sich oberhalb ihre Vagina habe stechen lassen.

"Anzeigen funktionieren leider nur, wenn die Nazi-Trolle unter ihrem echten Namen auftreten. Wenn sich die Polizei erst wieder an Facebook wenden muss, um die IP-Adressen rauszukriegen, dann wird es wieder schwierig und langwierig."
Netzautorin Martina Schulte

Mit ihren Nazi-Posts hat sie allerdings nicht aufgehört - im Gegenteil. Sie hat von der Polizei anscheinend erfahren, wer die Anzeige erstattet hatte. Aber Sebastian Leber schreibt, sein Kumpel habe so etwas schon geahnt und bei der Anzeige seinen echten Namen nicht aufgegeben. Denn Andrea J. forderte ihre Facebook-Freunde auf, den Kumpel von Sebastian online fertigzumachen. Sie schrieb außerdem, dass gegen sie wegen Volksverhetzung ermittelt werde und dass sie die Gerichte nicht anerkenne. Und dass ihr ein Bekannter geraten habe, amtliche Briefe künftig nicht zu öffnen und zu verbrennen. Und das so lange zu tun, bis das Deutsche Reich in den Grenzen von 1939 wieder hergestellt sei.

Hakenkreuze gelöscht

Dann postete sie neue Hasstiraden, erzählte, wie sehr sie Hitler verehrt. Der Kumpel von Sebastian schickte eine weitere Mail an den Polizisten in der Kleinstadt. Aber der hatte die neuen Hetzposts bereits auf dem Schirm und diese Erkenntnisse auch schon an die Staatsanwaltschaft gegeben. Woraufhin Andrea J. noch einmal fürchterlich bei Facebook getobt und gewütet haben muss. Doch dann löschte sie die Hakenkreuze und sie hat seitdem auch nicht mehr zum Mord an Minderheiten aufgerufen, schreibt Sebastian Leber. Dafür hetzt sie gegen Horrorclowns statt gegen Juden und beschwert sich, dass sie wegen schlechten Benehmens aus ihrer Häkel-Facebookgruppe ausgeschlossen worden sei.

An der Geschichte wird klar: Anzeigen gegen Facebook-Nazis bei Facebook lohnen sich nur, wenn die Nazitrolle unter echtem Namen auftreten. Wenn die Polizei an Facebook herantreten muss, um die IP-Adresse rauszukriegen, wird es wieder schwierig und langwierig. Und daran muss Facebook sehr, sehr schnell etwas ändern, sagt unsere Netzautorin Martina Schulte