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Die großen Netzkonzerne verbreiten vor allem linksliberale Sichtweisen, behaupten viele konservative Stimmen – allen voran Ex-Präsident Donald Trump. Sie beklagen sich, dass ihre politische Meinung im Netz unterdrückt und zensiert wird. Das stimmt aber nicht, wie jetzt eine Studie der New York University zeigt.

Forschende der New York University kommen in ihrer Studie auf der Plattform "Cybersecurity for Democracy" zu dem Schluss, dass Nachrichten vom äußeren rechten Rand bei Facebook am meisten Beachtung finden: Rechtskonservative Posts bekämen erheblich mehr Aufmerksamkeit in Form von Likes, Kommentaren und Shares als Nachrichten aus anderen, gemäßigten Quellen.

Faktenchecker klassifizieren Posts

Für die Studie haben sich die Macher und Macherinnen Facebook-Posts angeschaut, die zwischen August 2020 und Januar 2021 veröffentlicht wurden. Sie stammen aus über 3.000 verschiedenen Quellen und wurden zunächst von den beiden unabhängigen Faktencheck-Organisationen Newsguard und Media Bias / Fact Check klassifiziert. Die Unternehmen haben die Posts in fünf politische Richtungen eingeordnet: rechts außen, gemäßigt rechts, Mitte, gemäßigt links und links außen. Anschließend haben sie geschaut, welche Posts am meisten weiterverbreitet wurden.

"Inhalte von rechtsextremen Seiten zählten pro Abonnent die meisten wöchentlichen Aufrufe – gefolgt von den linksextremen Posts."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Die Posts aus dem rechts-konservativen Lager bekamen pro Abonnent die meisten wöchentlichen Aufrufe. Danach kamen die linksextremen Posts.

Interessanterweise betrifft das aber nicht alle Rechts-Außen-Seiten, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin Martina Schulte: Seiten, die nicht als Falschnachrichten-Verbreiter gelten, gehen – genau wie alle anderen Quellen des politischen Spektrums – nicht besonders viral: Sie bekamen "nur" 20 bis rund 260 Shares, Likes oder Kommentare pro 1.000 Follower.

Erfolgreiche Desinformation

Bei stark rechtsorientierten Quellen, die dafür bekannt sind, dass sie es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, hatten die Posts dagegen eine um 64 Prozent höhere Viralität, so die Studie. Solche Posts kamen auf deutlich über 400 Interaktionen pro 1.000 Follower.

"Für den rechten Rand gilt: Je mehr Fake News, desto viraler gehen die Posts."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Anders ausgedrückt: Desinformation ruft mehr Nutzerinteraktionen hervor als faktentreue Nachrichten, schreibt der Standard. Genau das sei auf einer Plattform, die die Sichtbarkeit von Inhalten auf Basis von Interaktionen steuert, "ziemlich gefährlich".

Unterschied zwischen links und rechts

Das gleiche Prinzip "Je mehr Fake News, desto viraler" funktioniert bei Posts vom linken politischen Rand dagegen nicht, so die Studie. Wie das Blog futurezone schreibt, passiert in diesem Fall genau das Gegenteil: "Veröffentlichen linksgerichtete Medien Fake News, reduzieren sich die Aufrufe (...) um bis zu 70 Prozent."

Ob die Posts vom rechten Rand auch tatsächlich mehr gelesen werden als die vom linken Rand oder die aus der Mitte, lässt sich verbindlich aus diesen Zahlen allerdings nicht ableiten. Sie bilden nur die reine Verbreitung der Posts ab. Interaktion ist also nicht dasselbe wie Reichweite.

Interaktion ≠ Reichweite

Außerdem ist es denkbar, so unsere Netzreporterin, dass Falschnachrichten aus dem rechten und linken Lager auch und vor allem jeweils vom politischen Gegner weiterverbreitet werden. Quasi nach dem Motto: "Schaut mal, was die Trump- oder Sanders-Anhänger da wieder Unverschämtes behaupten". Für Viralität sind also nicht immer die eigenen Leute verantwortlich.

Insgesamt deckt sich die Studie mit einer früheren Analyse des Techmagazins Recode. Diese kam zu dem Schluss, dass Medien wie New York Times, CNN oder BBC zwar zu den erfolgreichsten Quellen auf Facebook zählen. Dass aber bestimmte rechte beziehungsweise konservative Inhalte einen Verteilungsvorteil bei Facebook haben – vor allem dann, wenn sie extrem parteiisch und emotional aufgeladen sind.