Cambridge Analytica hat mehr Daten gesammelt, als Facebook erlaubt. Das eigentliche Problem liegt jedoch bei der Plattform selbst, sagt Linus Neumann vom Chaos Computer Club.

Facebook will alle benachrichtigen, die vom Datenmissbrauch durch Cambridge Analytica betroffen sind. Weltweit sind das etwa 87 Millionen User. Die meisten leben in den USA, in Deutschland rund 300.000. Darüber haben wir mit Linus Neumann vom Chaos Computer Club gesprochen. Er selbst benutzt die Plattform nicht.

Facebook will versuchen, wenigstens die Geschädigten zu informieren. Damit komme das Unternehmen nur seiner gesetzlichen Pflicht zur Benachrichtigung nach, meint Linus, und das auch noch sehr spät.

Datenkrake aus Prinzip

Das Geschäftsmodell des Unternehmens, also Daten zu sammeln und diese für Werbezwecke zu verkaufen, bleibe von dem Skandal allerdings unberührt.

Linus Neumann
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Linus Neumann
"Die Apps sind ja eigentlich das geringere Problem, wenn man sich überlegt, wie viele Daten Facebook hat."
Linus Neumann, Chaos Computer Club

Wenn Facebook nun die Nutzerdaten nicht mehr so freizügig wie zuvor an Apps weitergibt, steigere das nur die Machtfülle des Unternehmens. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten könne sich diese Veränderung für Facebook sogar positiv auswirken. Die Facebookkunden, also die Unternehmen, die Datensätze kaufen, würden im Zweifelsfall eher noch abhängiger von dem Unternehmen.

Eine neue Form von Online-Wahlwerbung 

Für Linus liegt die Neuigkeit darin, dass 2016 beim US-Präsidentschaftswahlkampf erstmals aufgefallen sei, dass Facebook-Werbung auch im politischen Bereich, eingesetzt werde und Wahlergebnisse beeinflussen könne. Dafür habe Cambridge Analytica die Plattform genutzt.

Grundsätzlich bleibt für ihn ein alter und unlösbarer Widerspruch: Privatsphäre und ein Facebookprofil.

"Wer sich dort anmeldet, ist eben das Produkt und nicht der Kunde."
Linus Neumann, Chaos Computer Club