Facebook ist, wie andere soziale Netzwerke, auf dem chinesischen Markt gesperrt. Trotzdem hat der Konzern eine Foto-App in China veröffentlicht - durch die Hintertür.

China ist der größte nationale Internetmarkt der Welt. Davon hätten auch westliche Konzerne gerne eine Scheibe ab. Für die heißt es jedoch meistens: Du kommst hier nicht rein! Zumindest dann, wenn sich die Konzerne nicht an die Regeln der politischen Führung des Landes halten.

Facebook hat jetzt eine andere Möglichkeit gefunden, die Sperre zu umgehen. Denn seit Mai gibt es auf dem chinesischen Markt die App Colorful Balloons. Und diese App erinnert extrem stark an Facebooks App Moments.

Veröffentlicht wurde Colorful Balloons allerdings nicht von Facebook, sondern von der chinesischen Firma Youge Internet Technology. Die hat offiziell allerdings nichts mit Facebook zu tun. Im Fall von Colorful Balloons soll sie aber als Strohmann fungiert haben.

"Facebook hat schlicht keine Daten, ob sich chinesische Internet-User in den sozialen Medien anders verhalten, andere Schwerpunkte setzen als westliche User."
Netzreporter Andreas Noll über die Beweggründe von Facebook

Auch wenn das alles nach Agententhriller klingt: Aus der Perspektive von Facebook war das ein wichtiger Schritt. Mit 700 Millionen Nutzern ist der chinesische Markt extrem interessant. Gerade für ein börsennotiertes Unternehmen, das immer mehr Geld verdienen will - und muss. Bislang versteht Facebook den chinesischen Markt aber nicht. Weil es keine Daten hat. Und die App Colorful Balloons soll diese Daten jetzt durch die Hintertür liefern.

Wenn die Vordertür verschlossen ist

Facebook-CEO Mark Zuckerberg hat lange vergeblich versucht, den chinesischen Markt durch die Vordertür zu betreten. Es sind mehrere Charme-Offensiven Richtung Peking bekannt, Zuckerberg spricht sogar ein bisschen Mandarin, aber die chinesische Führung blieb restriktiv.

Im Herbst war ein erneutes Treffen zwischen Facebook und der chinesischen KP-Führung geplant. Da wollte Zuckerberg ausloten, unter welchen Bedingungen sich der chinesische Markt für seine Produkte öffnen würde. Facebook hat angeblich sogar an einer Plattform gearbeitet, die es ermöglicht, in bestimmten Regionen eine umfassende Zensur der Beiträge zu übernehmen.

"Die ohnehin schlechten Aussichten für Facebook dürften sich mit dieser Aktion nicht noch verbessert haben."
Netzreporter Andreas Noll