Fachkräftemangel wird in Deutschland beklagt, aber viele Geflüchtete erhalten nur eine Duldung und in vielen Fällen auch nicht die Erlaubnis zu arbeiten.

Matthieu* kommt ursprünglich aus Burkina Faso. 2015 ist er nach Deutschland gekommen und lebt seitdem hier. Er würde gerne eine Ausbildung machen. In einem Malerei-Fachbetrieb oder als Zahntechniker.

Das darf er aber aufgrund seines Aufenthaltsstatus nicht, denn er besitzt nur eine sogenannte Duldung. Das bedeutet, dass sein Asylantrag abgelehnt, seine Abschiebung jedoch aufgeschoben wurde. Das passiert zum Beispiel in den Fällen, in denen die- oder derjenige keinen Pass besitzt. Oder wenn es zu gefährlich ist, die Menschen in ihr Herkunftsland zurückzusenden.

Die Duldung bedeutet, dass Matthieu langfristig nicht in Deutschland bleiben darf, da er ausreisepflichtig ist. Für ihn ist es ein perspektivloser Zustand.

"Eine Duldung ist wie eine Barriere. Wenn du eine Duldung hast, dann hast du keine Hoffnung mehr in Deutschland."
Matthieu*, Geflüchteter aus Burkina Faso

In Deutschland leben rund 40.000 Jugendliche, die geduldet sind. Nur knapp 9.000 seien in einer sogenannten Ausbildungsduldung, sagt Günter Burkhardt, Geschäftsführer der Organisation Pro Asyl. Solange die Jugendlichen sich noch in ihrer Ausbildung befinden, werden sie geduldet.

Laut Innenministerium gab es 8.000 Ausbildungsduldungen im vergangenen Jahr. Dazu kommen 1.200 Arbeitsduldungen. Insgesamt arbeitet also nur ein sehr geringer Teil der rund 240.000 Geduldeten in Deutschland. Und das, obwohl vielen Betrieben die Fachkräfte fehlen, sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

"Geflüchtete spielen eine zunehmende Rolle für das Handwerk auch wenn es um das Thema Fachkräfte oder wenn es um das Thema Qualifizierung geht."
Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

Einige der Absichten, die im Koalitionsvertrag der neuen Ampel-Regierung festgehalten wurden, könnten die Arbeitssuche für Geduldete deutlich erleichtern, sagt Günter Burkhardt von Pro Asyl. Die Regierung möchte Personen, denen man unterstellt, ihre Identität sei unklar, ermöglichen, an Eidesstatt zu versichern, wer sie sind und woher sie kommen.

Änderung des Bleiberechts könnte Fachkräftemangel mindern

Das würde ihnen die Möglichkeit bieten, in eine Beschäftigungsduldung zu kommen oder eine Ausbildung zu beginnen. Also arbeiten zu dürfen und Geld zu verdienen. Neben der ungeklärten Identität war bisher auch die drohende Abschiebung eine große Hürde bei der Arbeitssuche. Laut Umfragen hält ein unsicherer Status viele Unternehmen davon ab, Geflüchtete einzustellen. Auch hier sieht Günther Burkhardt von Pro Asyl gute Ansätze im Koalitionsvertrag.

"Eine fundamental wichtige Regelung – gerade für Jugendliche – ist, dass sie während der Ausbildung eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Bisher mussten beide Seiten, sowohl die Betriebe als auch die Jugendlichen, befürchten, dass sie abgeschoben werden."
Günther Burkhardt, Pro Asyl

Um dem Fachkräftemangel konstruktiv entgegen zu wirken, gibt es ganz konkrete Vorschläge.

Geduldete, die seit fünf Jahren in Deutschland leben und bestimmte Bedingungen erfüllen, könnten beispielsweise eine Aufenthaltserlaubnis auf Probe erhalten. Außerdem sollten die Regeln für die Beschäftigungsduldung "realistisch und praxistauglicher" werden, fordert Günter Burkhardt.

Für das Handwerk sei vor allem wichtig, dass es für Geduldete auch nach der Ausbildung weitergehe, sagt Holger Schwannecke. Deswegen haben sich die Handwerksverbände für die 3+2-Regelung stark gemacht, die schon seit 2016 gilt, sagt er.

Drei Jahre Ausbildung und eine anschließende zweijährige Beschäftigung führen zu einer Duldung über den gesamten Zeitraum und danach zu der Möglichkeit einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis.

* Name wurde auf Wunsch geändert