Die Fußabdrücke aus den eiszeitlichen Höhlen Südfrankreichs geben Rätsel auf. Also haben sich zwei deutsche Archäologen jemanden gesucht, der sich wirklich mit der Sache auskennt: Fährtenleser aus dem südlichen Afrika.

Die Höhle Tuc d'Audoubert ist eine von vielen Höhlen in Südfrankreich, die bei ihrer Entdeckung verschiedenste Sensationsfunde geboten hat. Steinzeitmenschen haben hier Zeugnisse ihrer Existenz hinterlassen: Höhlenmalereien, Skulpturen und Fußabdrücke. All diese Funde sagen etwas über das Leben dieser Menschen aus, doch gelingt es uns nicht immer, diese richtig zu deuten. Fragen darüber, wie alt der Menschen war, der den Fußabdruck hinterlassen hat, welches Geschlecht er hatte oder welche Tätigkeiten er ausgeübt hat, lassen sich oft nicht klar beantworten.

"In der Höhle Tuc d'Audoubert befinden sich an einer Stelle etwa 200 Fersenabdrücke. Auf einer Fläche, die fünf Mal fünf Meter groß ist. Bis zu dem Besuch der San rätselte man über diese Abdrücke und nahm an, dass hier rituelle Tänze stattgefunden haben müssen."
Andreas Pastoors

Die San konnten erklären, dass die Fersenabdrücke nicht auf rituelle Tänze zurückzuführen sind. Sie halfen den Forschern durch ihre Interpretation nachzukonstruieren, was wirklich vorgegangen war. Es wurden Fersenabdrücke von zwei Personen gefunden, die zu einer Lehmgrube hin- und von ihr wegführen. Die Abdrücke, die wegführen, sind tiefer. Demzufolge mussten die Steinzeitmenschen Lehm aus der Grube entnommen haben, was wiederum dazu passt, dass in der Nähe der Grube zwei Lehmskulpturen von zwei Wisenten gefunden wurden.

Die Archäologen Tilman Lenssen-Erz und Andreas Pastoors
"Die Fährtenleser sind Männer, die in ihrer Gemeinschaft gut eingebunden sind und eine gute Stellung haben, weil sie regelmäßig für Trophäenjäger arbeiten. Da werden sie als Fährtenleser gebraucht, weil das sonst keiner so gut kann wie sie."

Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts geben den beiden Archäologen Tilman Lenssen-Erz und Andreas Pastoors recht: Sie wollten sich nicht mehr nur noch auf europäische Methoden verlassen, um die Zeugnisse der Vergangenheit zu entziffern. Es war ihnen ein Bedürfnis, den Fährtenlesern, die mit ihnen von der Kalahari-Wüste nach Südfrankreich gereist waren, etwas zurückzugeben.

Nach Abschluss der Höhlenforschung begaben sich die Forscher daher mit dem Film "Fußspuren in die Vergangenheit", der das Projekt dokumentiert, auf Kinotour durch Namibia und Botswana. Sie fuhren dabei auch durch viele kleine Dörfer, um wieder Interesse für die langsam aussterbende Kunst des Fährtenlesens zu wecken.