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In deutschen Großstädten gibt es jede Menge Fahrradleichen. Das sieht nicht nur doof aus, die Schrotträder blockieren auch ziemlich viele Fahrradständer. Die meisten Städte sammeln diese Räder nach einer gewissen Zeit ein. Weggeworfen werden die aber nicht.

Der Rahmen ist noch angekettet, aber irgendwer hat sich schon am Sattel bedient und das Hinterrad fehlt auch. So ein Fahrrad will dann auch niemand mehr klauen. Und dann? Kommt irgendwann die Stadt und sammelt den Fahrradschrott ein. Wie viele solcher Fahrräder deutschlandweit jährlich eingesammelt werden, lässt sich schwer sagen. Für einzelne Städte hingegen gibt es Zahlen. So haben Köln und Hamburg 2019 jeweils rund 4000 Fahrradleichen aus dem öffentlichen Raum entfernt, in Münster und München waren es rund 5000.

Wie groß das Problem mit den Fahrradleichen tatsächlich ist, lässt sich in Münster ganz gut ablesen. Dort sind nach einem halben Jahr 50 Prozent der Fahrradständer am Hauptbahnhof von Fahrradleichen blockiert, erklärt Hendrik Weihermann vom städtischen Ordnungsamt.

"Sie machen einen Fahrradständer sauber und nach einem halben Jahr sind 50 Prozent der Ständer wieder blockiert durch Fahrradleichen. Da fragt man sich wirklich wie das passieren kann, aber es ist so."
Hendrik Weihermann, Ordnungsamt Münster

In den meisten Städten ist das Ordnungsamt zuständig für Fahrradleichen im öffentlichen Raum. Fahrräder, die offensichtlich nicht mehr fahrtauglich sind, weil Sattel, Lenker, Räder oder die Kette fehlen, weil sie verrostet oder komplett runtergerockt aussehen, werden als potentielle Fahrradleichen identifiziert.

Aber in München, Hamburg und auch Köln zum Beispiel geht man trotzdem auf Nummer sicher und markiert die Räder erstmal mit Banderolen am Rahmen. Da steht dann eine Frist drauf, bis wann man das Rad entfernt haben muss, wenn man es noch haben will. Nach Ablauf der Frist rücken dann Stadtbedienstete mit dem Bolzenschneider an. Wenn das Fahrrad allerdings Fluchtwege oder Zufahrten blockiert oder offensichtlich zur Stolperfalle wird, dann darf die Stadt das auch schon früher entfernen lassen.

Fit machen und wieder in Umlauf bringen

Sind die Räder eingesammelt worden, werden die aber nicht gleich entsorgt, sondern in den meisten Städten erst mal eine gewisse Zeit in Hallen gelagert. Für den Fall, dass sich doch noch jemand findet, dem oder der das Rad gehört. Die hoffnungslos kaputten Räder landen tatsächlich auf dem Schrott. Aber ein gar nicht mal so kleiner Teil wird auch wieder fit gemacht. In Hamburg zum Beispiel sind das pro Jahr etwa 1500 der 5000 eingesammelten Fahrräder. Die werden dann in der Werkstatt der Stadtreinigung repariert und in den eigenen Gebrauchtwaren-Kaufhäusern wieder verkauft.

"Wenn man auf die Schnelle einen Sattel austauschen kann und eine Bremse anbauen, dann lohnt der Aufwand in unserer eigenen Fahrradwerkstatt, die wir haben, um das Ding dann wieder in unsere Gebrauchtwaren-Kaufhäuser 'Stilbruch' zu bringen."
Andree Möller, Stadtreinigung Hamburg

Auch in Münster werden die Fahrräder wenn möglich repariert und dann regelmäßig bei Versteigerungen angeboten. Das freut vor allem die Studierenden dort. München stellt die reparierten Räder für karitative Zwecke zur Verfügung.