Wenn ein Satz von Einstein oder Freud stammt, bekommt er direkt mehr Gewicht. Das Problem: Häufig wird diese Zitatquelle einfach erfunden oder ungeprüft übernommen.

Der Philosoph und Zitatforscher Gerald Krieghofer untersucht berühmte Zitat auf ihren Wahrheitsgehalt. Also: Sind die wirklich so gesagt worden? Und: Sind sie tatsächlich von dieser Person erstmals gesagt worden, die angegeben wird?

"Bevor Sie bei sich selbst eine schwere Depression oder Antriebsschwäche diagnostizieren, stellen Sie sicher, dass Sie nicht komplett von Arschlöchern umgeben sind."
Angeblich Sigmund Freud. Tatsächlich: Eine Twitter-Nutzerin.

Krieghofer sagt: Mindestens die Hälfte der populären Zitate, die berühmten Personen wie Einstein, Marx oder Freud zugeschrieben werden, stammen gar nicht von diesen Personen. Oft sind die Zitate viel jünger und werden dann jemandem wie Einstein zugeschrieben. ″Kuckuckszitate″ nennt Krieghofer sie.

"Ein Idiot ist ein Idiot. Zwei Idioten sind zwei Idioten. Zehntausend Idioten sind eine politische Partei."
Angeblich Franz Kafka. Tatsächlich: Leo Langanesi, italienischer Humorist.

Das Besondere an der heutigen Zeit: Die Kombination aus Zitat und Prominenz verbreitet sich im Netz oft so schnell, dass es kein Zurück mehr gibt. Und so finden Kuckuckszitate dann den Weg in große Zeitungen, Online-Magazine und in den Bundestag, in dem Politiker die falschen Zitate für ihre Argumantation verwenden.

"Wenn irgendwo zwischen zwei Mächten ein noch so harmlos aussehender Pakt geschlossen wird, muss man sich sofort fragen, wer hier umgebracht werden soll."
Angeblich Otto von Bismarck. Tatsächlich: Forum, in dem Rechtsextreme aktiv sind.

Krieghofer sagt, er würde Zitate ohne Nennung von Quellen überhaupt nicht mehr vertrauen. Eine Quelle ist zum Beispiel die Nennung eines Buches, Briefes oder Manuskripts, aus dem hervorgeht, dass eine Person dieses Zitat wirklich geprägt haben könnte. Die alleinige Angabe ″Sigmund Freud″ oder ″Albert Einstein″ hat im Zweifelsfall keine Relevanz.

So prüft er die Zitate auch: Krieghofer sucht nach den ersten Quellen, die belegen, wann ein Zitat geschrieben oder gesagt wurde.