Der eine übernimmt ganz freiwillig das Fenster- und Türengeschäft des Vaters. Der andere wird zum Einstieg in die Bäckereikette eher überredet. Beide erleben jetzt, wie ihr Vater zu ihrem Chef beziehungsweise Mitarbeiter geworden ist.

Michael Thaler hatte als Jugendlicher nichts mit Türen und Fenstern zu tun. Er schrieb bei der Schülerzeitung mit, hörte John Cage und Karlheinz Stockhausen. Nach dem Zivildienst stand die Entscheidung an: Übernehme ich den Betrieb des Vaters, der Türen und Fenster verkauft, oder gehe ich meinen eigenen Weg?

Der Vater hatte ihn nicht unter Druck gesetzt. Vielmehr zeigte er ihm die möglichen Szenarien auf: Wenn du den Laden übernehmen willst, klotz ich nochmal rein. Wenn nicht, lass ich es bis zur Rente gemütlicher angehen.

Michael Thaler hatte mitbekommen, wie viel Arbeit ein eigenes Geschäft ist, das wurde schließlich erst gegründet, als Michael 16 Jahre alt war. Er hat die Firma übernommen und sagt heute: "Das war nicht die bequeme Entscheidung." Er hat immer noch viel Arbeit und ist froh über jede Stunde, die der Vater mit 72 Jahren noch mitarbeitet.

"Im Laden beim gemeinsamen Arbeiten haben mein Vater und ich uns nochmal ganz anders kennengelernt."
Michael Thaler

Anders lief das bei Vater Gerd und Sohn Dominik Voosen. Der Großvater schon, später dann der Vater haben eine Bäckereikette im Rheinland aufgebaut. Und der Vater Gerd wollte unbedingt, dass Dominik ebenfalls in den Familienbetrieb einsteigt. Er sagt heute: "Ich habe mich durchgesetzt."

Dominik hat in einem anderen Betrieb die Ausbildung gemacht und ist dann in den Familienbetrieb zurückgekehrt. Das war am Anfang nicht einfach, sagt er. Denn der Vater war plötzlich gleichzeitig Vater und Chef.

Gerd Voosen, Vater von Dominik
"Wenn es Extra-Arbeit gibt, rufe ich Dominik auch schonmal aus seiner Freizeit zurück. Das würde ich mit anderen Mitarbeitern nicht machen."

Businesscoach Caro Tille begleitet solche innerfamiliären Zusammenarbeit seit Jahren. Sie sagt: "Man denkt, die Kinder haben es besser, werden verwöhnt, können sich mehr rausnehmen. In fast 80 Prozent der Fälle ist aber genau das Gegenteil der Fall." Töchter hätten es bei Vätern übrigens einfacher. Für die haben sie nämlich kein starres Bild im Kopf, denen die Töchter folgen sollen.