Die Beziehung zwischen Geschwistern ist einzigartig, denn sie begleiten sich lebenslang. Konflikte sind in so einer langen Zeit vorprogrammiert oder sogar normal und nicht verwunderlich, sagt die Psychologin Denise Ginzburg-Marku.

An diesem Wochenende (17.04.2021) schaut die ganze Welt nach Großbritannien, wo die Beisetzung von Prinz Philip stattfindet. Ein großes Gesprächsthema: die Enkel Harry und William. Spätestens seit den Enthüllungen von Harry und Meghan Marke im Interview mit Oprah Winfrey steht die Vermutung im Raum, dass die Beziehung der beiden Brüder ziemlich angeschlagen ist. Jetzt treffen sie sich bei der Trauerfeier das erste Mal seit dem Interview.

Aber wie geht man am besten damit um, wenn Geschwisterstreitigkeiten auch im Erwachsenenalter noch ein Thema sind? Meistens geht es dann nicht mehr nur um Spielzeug oder die Aufmerksamkeit der Eltern, sondern um größere Dinge. Die Psychologin Denise Ginzburg-Marku rät dazu, nach ungeklärten Streitigkeiten aus der Kindheit zu suchen.

Konflikte aus der Kindheit aufarbeiten

Manchmal würden Streitigkeiten, die in der Kindheit noch als normal betrachtet werden und dennoch wichtige Themen behandeln, nicht gut gelöst werden. Bleiben sie unaufgearbeitet können diese Konflikte über die Jugend bis hin zum Erwachsenenalter erhalten bleiben.

Hier sei es sehr wichtig, dass die Geschwister das offene Gespräch suchen und sich mit den vermeidlichen Verletzungen aus der Kindheit auseinandersetzen, sagt Denise Ginzburg-Marku. Denn oft fühlten sich beide Parteien ungerecht behandelt und reagierten deshalb mit einem Rückzug aus der Geschwisterbeziehung.

"Meistens fühlen sich sogar beide Parteien ungerecht behandelt und ungesehen. Sie ziehen sich deswegen auf ihre Posten zurück und reagieren dann mit Streit und Kontaktabbruch."
Denise Ginzburg-Marku, Psychologin

Je älter, desto mehr Konfliktparteien

Warum die meisten Geschwisterkonflikte erst im Erwachsenenalter richtig eskalieren, liege außerdem daran, dass es nicht mehr nur um den Streit zwischen zwei verschwisterten Personen gehe. Viele weitere Parteien wie beispielsweise die Ehefrauen- oder -männer seien nun zusätzlich mit ihren Interessen an den Konflikten beteiligt, erklärt Denise Ginzburg-Marku.

"Im Erwachsenenalter kommen noch mehr Parteien und Interessen dazu. Dann gibt es eben Ehefrauen, die haben Interessen. Dann gibt es noch Onkel, Tanten und Familien."
Denise Ginzburg-Marku, Psychologin

Um vor allem die besonders tiefsitzenden Konflikte zu lösen, müssten laut Denise Ginzburg-Marku alles Parteien und Betroffenen gesprächsbereit sein. In den Gesprächen sollte es vor allem darum gehen, eine Lösung zu finden, mit der sich alle wohlfühlen. Dafür müsse man im Zweifelsfall auch einen Kompromiss eingehen und die eigenen Interessen etwas zurücknehmen.