Zu viele, zu unsicher, zu unökologisch: die viel diskutierten E- Scooter scheinen ihrer Rolle als Heilsbringer der Mobilitätswende keine Ehre zu machen. Die Beschwerden sind vielfältig, aus den verschiedensten Ecken hagelt es Kritik. Unser Reporter Moritz Metz hat gleich zu Beginn einen Roller getestet und auch nach 50 Tagen findet er: Die Kritik gibt es zu Recht.

Sie sollten die Straßen und das Klima entlasten, endlich eine Möglichkeit bieten, auch ohne Auto und große Anstrengung zum Arbeitsplatz oder an das andere Ende der Stadt zu gelangen. Seit mehr als einem Monat sind die Roller nun für deutsche Städte freigegeben und erste Zahlen sprechen eher dagegen, dass dieser Plan gelingt. Noch scheinen die Roller für Autofahrer keine ernst zu nehmende Alternative zu sein. Es steigen nicht weniger ins Auto, sondern mehr Leute, die normalerweise zu Fuß gehen würden, springen nun lieber auf einen Roller. Das ergab eine Umfrage in Frankreich. Hier heißt es, dass etwa drei Viertel der Nutzer die E-Scooter nicht als Auto-, sondern als Fußersatz nutzen würden.

Keine Hilfe für das Klima

Wohl also doch mehr Belastung als Entlastung für das Klima? Unser Reporter Moritz Metz hat Roller mehrmals getestet und zieht ein erstes Fazit. E-Scooter sind zwar nur halb so schädlich wie Autos, stoßen aber dennoch 25-mal so viel CO² aus wie ein Fahrrad. Das liegt weniger am Stromverbrauch, der nur etwa 5 Prozent des Co²-Austoßes ausmacht, sondern vielmehr an der aufwendigen Herstellung der Akkus und des Aluminium-Rahmens, sowie der Entsorgung. Schließlich halten die Roller nur einige Monate. Und nicht nur das: Die Roller, die überall in den Städten verstreut stehen, müssen von schlecht bezahlten Minijobbern in der Nacht eingesammelt, aufgeladen und wieder verteilt werden. Diese sind dafür mit Diesel-Transportern unterwegs – nicht gerade ökologisch.

"Es ist kompliziert, aber eindeutig: Fahrräder sind viel besser."
Moritz Metz, Deutschlandfunk Nova

Mit etwa 10 Euro pro Stunde sind die E-Scooter für viele Nutzer als dauerhaftes Mobilzeug schlichtweg zu teuer. Als einmaliges Abenteuer – ja. Als dauerhafte Alternative zum Fahrrad oder Auto – nein. Hinzu kommt, dass es für die Nutzung der Roller noch an klaren Regeln mangelt. Das bedauern auch mehrere Verbände und Politiker und fordern Konsequenzen.

Denn das Chaos hat Folgen: Allein in Berlin gab es im ersten Monat seit die Roller in den deutschen Innenstädten unterwegs sind, mehr als einen Krankenhausfall pro Tag. Hamburg und München verzeichnen ebenfalls hohe Unfallquoten. Unfälle entstehen vor allem, weil viele Nutzer sich nicht an die Verkehrsregeln halten und etwa auf Fußgänger – statt auf Radwegen fahren. Auch gibt es weder eine Helmpflicht, noch einen Alkoholtest. Mehrere Sozialverbände wiesen außerdem auf die erhöhte Gefahr für Blinde und Sehbehinderte hin, wenn E-Scooter auf Gehwegen abgestellt würden.

Das Fazit also nach einem Monat Roller-Chaos: die Nutzung der E-Scooter muss dringend sicherer und ökologischer gestaltet werden, wenn sie in Zukunft einen Teil zur Mobilitätswende beitragen sollen.