Wegen des Mangels beim Bodenpersonal an vielen europäischen Flughäfen kommen aktuell manche Koffer nicht mit ihrem Besitzer am Zielort an. Wir erklären, was Reisende in einem solchen Fall tun können und welche Rechte sie haben.

Aufgrund der angespannten Personalsituation, von der viele Flughäfen in Europa betroffen sind, bleiben alleine am Flughafen Hannover täglich bis zu 500 Koffer liegen. Laura Frommberg ist Chefredakteurin bei "Aerotelegraph", einem Nachrichtenportal für Luftfahrt. Auch ihr sei es schon häufiger passiert, dass ihr Koffer am Zielort plötzlich fehlte, sagt sie.

Fluggesellschaften tragen Verantwortung

Wenn Gepäckstücke nicht mitreisen oder den falschen Weg nehmen, dann würden verschiedene Mechanismen greifen, um das Problem zu lösen, sagt Laura Frommberg. So gibt es zum einen die Gepäckermittlung und auch die Bodenabfertigungsdienste der Airlines. Beide müssen in einem solchen Fall zusammenarbeiten.

Wichtig seien dabei die Kofferbändchen und die Quittung, die Reisende beim Einchecken erhalten. "Jeder Koffer sollte eine Nummer haben, wenn man die scannt, dann ist klar, wem der gehört und wie man die Person erreicht", sagt die sie.

Bestenfalls sollte die Airline dann alles tun, damit der Koffer seine Besitzerin oder seinen Besitzer findet. Oftmals würden Passagiere außerdem umsteigen und weiterreisen, auch hier habe die Airline die Verantwortung, dass das Gepäck hinterher reise, so Laura Frommberg.

Anspruch auf Schadensersatz

Generell gelte: Fehlt der Koffer bei der Ankunft, haben Passagiere Rechte. Manche Fluggesellschaften zahlen pro Tag, den das Gepäck fehlt, einen gewissen Betrag. Die genauen Regelungen können bei der Airline erfragt werden.

Wer ohne Gepäckstück dasteht und beispielsweise eine Zahnbürste, Zahnpasta oder Unterwäsche braucht, der sollte auf jeden Fall die Quittung aufbewahren und einschicken, sagt die Luftfahrtexpertin. Auch hierfür gibt es eine Entschädigung, wie hoch die genau ausfalle, unterscheidet sich nach Fluggesellschaft.

"Was ich immer machen würde, wenn ich zum Beispiel Zahnpasta oder Unterhosen kaufen muss, ist die Quittung aufzubewahren und einzuschicken."
Laura Frommberg, Chefredakteurin bei Aerotelegraph

Bleibt das Gepäckstück über einen längeren Zeitraum verschwunden, haben Passagiere Anspruch auf weiteren Schadensersatz. Genauer geregelt ist das im Montrealer Abkommen. Der Schadensersatz könne über 1.000 Euro betragen, manche Airlines zahle sogar mehr, erklärt die Journalistin.

Trotz der Bemühungen von Fluggesellschaften, Koffer und Besitzer*innen zusammenzubringen, gelingt das manchmal nicht. Nach einer gewissen Zeit könne es dann zu Versteigerungen auf Flughäfen kommen.

Persönliche Gegenstände wie das Portemonnaie oder Geld werden zuvor aber herausgenommen, sagt Laura Frommberg. Falls sich dann trotzdem die Besitzerin oder der Besitzer meldet, haben die einen Anspruch auf den Betrag, für den der Koffer versteigert wurde.