Femme-Fatale-Effekt

Schönen Frauen wird weniger vertraut

Eigentlich ist Schönheit doch eine gute Sache. Aber Frauen kann extreme Schönheit auch im Weg stehen. Ihnen wird weniger Vertrauen geschenkt, von Männern und von Frauen. Vor allem im Job. Das zeigt eine Studie von zwei Forscherinnen aus den USA.

Es spielt keine Rolle, ob jemand männlich ist oder weiblich: Wer mit besonders attraktiven Frauen zu tun hat, empfindet diese als weniger ehrlich und wäre sogar eher bereit, sie aus dem Job zu werfen. Das ist das Ergebnis einer Reihe von Experimenten, die Lea Shepherd von der Washington State University und Stefanie Johnson von der University of Colorado durchgeführt haben. Sie nennen das Phänomen den "Femme-Fatale-Effekt".

Schöne, gefährliche Frauen

In ihrer Studie "Sex Roles" erklären die beiden Wissenschaftlerinnen den Effekt mit sexueller Unsicherheit: Evolutionär gesehen sei es so, dass Frauen ihr Aussehen nützlich ist, um Partner anzuziehen. Sie sähen andere attraktive Frauen deshalb als Konkurrentinnen, die ihnen den Partner wegschnappen könnten. Männer hingegen würden von attraktiven Frauen angezogen – machten sich aber auch Sorgen, dass ihre Attraktivität dazu führt, dass sie untreu sind. Schöne Frauen wären so gesehen also ein Risiko für die Beziehung.

"Schöne Frauen werden also als gefährlich angesehen - von Männern und Frauen."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk Nova, über den Femme-Fatale-Effekt

Laut den Forschungsergebnissen spüren schöne Frauen den Effekt vor allem im Job: In ihrem Experiment haben die beiden Professorinnen Männern und Frauen einen Artikel vorgelegt, in dem verschiedene Personen einen Stellenbbau im Unternehmen ankündigen. Die Teilnehmenden sollten dann einschätzen, für wie ehrlich und vertrauenerweckend sie die Person halten. Dazu gab es Fotos.

"Wenn auf den Fotos sehr attraktive Frauen zu sehen waren, schnitten die dabei durch die Bank weg schlechter ab", fasst Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sabrina Loi die Ergebnisse zusammen. Dabei spielte es überhaupt keine Rolle, um welche Branche es ging: egal ob Tech-Firma, Stellenabbau von Krankenschwestern oder als Pressesprecherin.

Die Fotos hatten sie aus dem Netz: Die Forschenden hatten bei der Google-Bildersuche "Professional Woman" eingegeben und sich da Bilder raus geholt. Die Bilder haben sie dann von Probanden nach Attraktivität bewerten lassen. Und das waren dann auch die Bilder, die sie für ihre Experimente benutzt haben.

Sexuelle Unsicherheit führt zu Misstrauen

Der Femme-Fatale-Effekt hat sich übrigens deutlich in Momenten entschärft, in denen die Befragten sich selbst in ihrer Sexualität und ihrer Beziehung sicher fühlten. So sollten sie sich daran erinnern, wie sie sich in einer Liebesbeziehung gefühlt haben, in der sie sich sehr sicher waren, dass ihr Partner ihnen ganz treu war. Und in diesem Gefühl der Sicherheit haben sie sich dann die Bilder der attraktiven Frauen angeguckt. "Das führte dann plötzlich dazu, dass sie die attraktiven Frauen für genauso ehrlich hielten wie die nicht so attraktiven Frauen", sagt Sabrina Loi.

Wer hingegen vorher verunsichert wurde, sich etwa an eine schwierige Beziehung mit untreuem Partner erinnert hat, schätzte die schönen Frauen extrem unehrlich ein und hätte ihnen auch eher gekündigt.

"Das Experiment zeigt, dass hier vor allem Vorurteile und eigene Unsicherheiten am Werk sind, die zu dem mangelnden Vertrauen führen."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk Nova

Die Experimente zeigen, dass Unsicherheiten und Vorurteile zu dem mangelnden Vertrauen führen. Die Forscherinnen sind sich deswegen sicher: Der Femme-Fatale-Effekt kann entschärft werden, wenn wir uns dieser Zusammenhänge bewusster werden.

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