Statt in die Praxis zu fahren dem Arzt einfach mal eine Mail mit Foto und Beschwerden schicken? Ja, manchmal ist das eine gute Lösung. Aber eben nicht in jedem Fall.

Noch gilt das Fernbehandlungsverbot. Der technische Fortschritt ermöglicht es aber inzwischen Ärzten, Ferndiagnosen zu erstellen. In bestimmten Fällen hält der Mediziner Johannes Wimmer das für eine gute Lösung - etwa, wenn Patienten sich nicht trauen, zum Arzt zu gehen.

Grund für das Fernbehandlungsverbot in Deutschland ist ein historischer Fall: Da hat ein Arzt Patienten per Post behandelt, die glaubten, sie hätten Syphilis, sich aber nicht trauten, zum Arzt zu gehen. Die Medikamente, die der Arzt schickte, hatten schwere Nebenwirkungen. Seit dem gilt: Der Arzt muss einen Patienten einmal leibhaftig gesehen haben.

Strenge Regelung in Deutschland

Das Fernbehandlungsverbot ist ein Kammerrecht, sagt Johannes Wimmer, ein Gebot, dass sich die Ärzte selbst auferlegt haben. Wenn ein Arzt dagegen verstößt, setzt er damit seine Approbation aufs Spiel.

„Wenn ich als Arzt jetzt einfach anfange, über das Internet Leute zu behandeln, dann könnte ich theoretisch meine Approbation verlieren. Das ist in anderen europäischen Ländern wesentlich lockerer.“
Notfallmediziner Johannes Wimmer

Wenn der Patient sich schämt

Bei manchen Erkrankungen, bei denen sich Patienten schämen, zum Arzt zu gehen, könnte eine Ferndiagnose sinnvoll sein, meint Johannes Wimmer. Weil es immer noch besser sei, als gar nicht zum Arzt zu gehen. Beispielsweise bei Geschlechtskrankheiten: Patienten könnten dem Arzt Fotos und Proben für die Diagnose schicken. Damit kann ein Arzt eine Ferndiagnose stellen, die sich kaum von der unterscheidet, die ein Arzt nach einer direkten Untersuchung des Patienten in der Praxis stellt, sagt der Notfallmediziner.

Digitale Geräte für zu Hause

Die Technik bietet inzwischen viele Möglichkeiten für Patienten, Untersuchungen zu Hause durchzuführen und die Daten an den Arzt zu übermitteln. Beispielsweise kann der Patient zu Hause seinen Blutdruck messen. Das Gerät verbindet sich dann über Bluetooth mit dem Smartphone und überträgt die Daten.

Erste Modellversuche

In Modellprojekten wie in Baden-Württemberg oder an der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf, wo Johannes Wimmer arbeitet, wird getestet, wie gut die Fernbehandlung funktioniert. An der Uni-Klinik werden Patienten mit chronisch schlecht verheilenden Wunden fernbehandelt. Die Patienten schicken jede Woche per Smartphone ein Foto der Wunde. Die Ärzte können dann sehen, ob alles heilt. Nur wenn sie Bedenken haben, muss sich der Patient auf den Weg in die Klinik machen.

Rundum-Diagnose nur in der Praxis möglich

Bei den meisten Erkrankungen lässt sich aber eine Diagnose ohne eine Untersuchung des Patienten in der Arztpraxis nicht erstellen, erklärt der Notfallmediziner. Beispielsweise ist es für den Arzt trotz Videochat schwierig, eine fundierte Hautdiagnose zu stellen, weil die Bildauflösung meist nicht optimal ist und dem Arzt auch andere Sinneseindrücke fehlen, wie das Berühren der Haut.