In weiten Teilen Deutschlands hat es seit Mitte April wenig bis gar nicht geregnet. Das bedeutet auf Dauer trockene Wälder und Felder, die leichter als sonst brennen können – und das auch tun. Ob aus Versehen oder durch Brandstiftung, aktuell gibt es fast täglich Meldungen über Wald- und Feldbrände.

Johann Goldammer vom Max-Planck-Institut für Chemie leitet auch das "Global Fire Monitoring Center". Er gilt als der führende Experte für Feuerökologie. Mit ihm hat unsere Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz über die steigende Wahrscheinlichkeit von Waldbränden in Deutschland gesprochen und welche  Herausforderungen das mit sich bringt. Johann Goldammers These: Waldbrände werden bei uns in den kommenden Jahren aufgrund des Klimawandels zunehmen.

"Wenn der Klimawandel sich weiter so entwickelt wie die Wissenschaft das voraussagt, wird sich die Lage weiter und extremer entwickeln. Deutschland wird also genauso wie viele andere Länder ein Waldbrandland werden."
Johann Goldammer, Feuer-Ökologe

Fehlende Ausstattung und Ausbildung bei Waldbränden

Eine große Herausforderung sieht Johann Goldammer schon darin, Brände zu bekämpfen und zu löschen. Zwar seien Feuerwehrtruppen in Deutschland sehr gut geschult, Wohnungsbrände zu löschen – auf Waldbrände seien sie allerdings weniger gut vorbereitet.


"Es ist was ganz anderes, wenn ein Feuer in Gebäuden oder in Städten brennt - dafür sind unsere Feuerwehren bestens ausgebildet. Da können wir den deutschen Feuerwehren nichts vormachen. Aber die Ausbildung für draußen haben sie nicht."
Johann Goldammer, Feuer-Ökologe

Bei Waldbränden benötigen die Feuerwehrleute kleine, geländegängigere Fahrzeuge und spezielle Schläuche zum Löschen.

Eine weitere mögliche Herausforderung: Altmunition. Am 8. Juli ist genau dieses Problem auf einem früheren Truppenübungsplatz in Südbrandenburg in der Lieberoser Heide aufgetreten. Inzwischen konnte die Feuerwehr den Brand aus der Luft löschen (Stand 10. Juli 2018).

Eine andere Möglichkeit in einem solchen Fall ist der Einsatz von Löschpanzern. Diese würden bereits von einer privaten Firma, mit der er und sein Team zusammenarbeiten, produziert, sagt Johann Goldammer.

Verschiedene Warnsysteme für verschiedene Gebiete sinnvoll

Mittlerweile gibt es Apps, die den Menschen und der Feuerwehr im Fall eines Wald- oder Feldbrands helfen sollen. Apps wie "Hilfe im Wald“ zeigen zum Beispiel die genaue Position der User an, die im Notfall weitergegeben werden kann.

Techniken wie Satelliten oder Drohnen zum Aufspüren von Bränden sind für Johann Goldammer in wenig besiedelten Gebieten sinnvoll. Im dicht besiedelten Mitteleuropa  hingegen werden Brände schnell genug von der Bevölkerung gemeldet.

"In unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft spielen Satelliten oder Drohnen keine Rolle, weil jedes Feuer das hier entsteht umgehend von irgendjemanden per Handy an die Leitstelle gemeldet wird. Damit haben Sie eine schnellere Entdeckung als per Satellit."
Johann Goldammer, Feuer-Ökologe