Green Storytelling bedeutet, dass Filmproduktionen neuerdings auf Nachhaltigkeit im Setting achten. Filme sollen für die Zuschauer als Vorbilder dienen.

Die Tatortgucker unter euch haben das Foto oben erkannt. Das sind die Schauspieler Jan Josef Liefers und Axel Prahl aus dem Münster-Tatort. Beide sitzen auf einem Fahrrad – was in Filmen leider immer noch eher die Ausnahme ist. Tatort Regisseur Lars Jessen achtet darauf, dass die Leute in seinen Filmen mit gutem Beispiel vorangehen und statt Auto mit dem Fahrrad fahren, keinen Kaffee-to-Go Becher in der Hand halten und ihren Müll trennen. Lars Jessen sagt, das sei das, was er tun könne – seine Figuren so ins Bild zu setzen, dass es sehr selbstverständlich wirkt.

"Als Fahrradfahrer ist die Figur Thiel ja im Grunde ein ideales Vorbild. Weil populärer als der kann man ja gar nicht sein. Da ist er im Grunde der prominenteste deutsche Fahrradfahrer."
Lars Jessen, Regisseur des Tatorts aus Münster

Kleine Dinge, die aber bestenfalls eine große Wirkung erzielen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Simone Schlosser. Sie hat sich mit Green Storytelling beschäftigt und sieht da einen aufkeimenden Trend – jedenfalls scheint das Bewusstsein für nachhaltiges Erzählen im Film zu wachsen. Die Zahl der Filme und Produktionen in der Branche sind aber noch recht überschaubar.

Filme haben beim Thema Nachhaltigkeit einen Vorbildcharakter

Beim Green Storytelling geht es kurz gesagt um ökologisches Verhalten. Das fängt beim Drehbuchschreiben an. Richard Reitinger ist Professor für Drehbuch an der Hamburg Media School und betont, dass Filme in Sachen Nachhaltigkeit einen Vorbildcharakter haben.

"Die Protagonisten und auch die Antagonisten, die auftauchen, bilden Persönlichkeiten ab, die zur Nachahmung anregen."
Richard Reitinger, Professor für Drehbuch an der Hamburg Media School über Green Storytelling

In der Hamburg Media School gibt es Regeln für Abschlussfilme. Da geht es darum, dass die Produktion der Filme nachhaltig abläuft. Beispielsweise dass die Crew mit der Bahn zum Drehort reist und nicht mit Autos. Aber es gibt auch Regeln für die Figuren im Film. Bis vor kurzem war das im Wesentlichen darauf beschränkt, dass nicht geraucht werden durfte. Diese Leitlinien haben sich aber erweitert. Inzwischen dürfen auch keine Plastiktüten oder Coffee-to-Go-Becher mehr genutzt werden.

Green Storytelling wird finanziell nicht gefördert

Dass ein Wandel stattfindet, zeigt die Filmbranche gerne in Symbolen. Bei der Berlinale gab es vor Kurzem zum Beispiel einen roten Teppich aus Plastikmüll und Fischernetzen. Oder bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises wollen alle darauf achten, dass die Veranstaltung eine gute CO2-Bilanz hat – unter anderem mit Aktionen wie einer Fotowand aus Pflanzen, vor denen die Promis posieren. Symbolisch tut sich also schon was – finanziell hingegen kaum.

"In Hamburg und Schleswig-Holstein zum Beispiel wird Nachhaltigkeit schon seit acht Jahren gefördert. Aber seitdem sind gerade mal 80 Film- und Fernsehproduktionen nach diesen Kriterien entstanden."
Simone Schlosser, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Filmföderungsanstalten unterstützen Green Storytelling bisher nicht. Von dort heißt es, man wolle nicht noch mehr Auflagen machen. Es besteht die Sorge, Filmemacher und Filmemacherinnen könnten dadurch abgeschreckt werden. Simone Schlosser hat aber herausgefunden, dass es in einigen Bundesländern Filmförderungsanstalten gibt, die Produktionen unterstützen, wo der Dreh selbst nachhaltig abläuft. Aber die von der Filmstiftung dort sagen, dass es langsam mehr werden, die sich darauf bewerben.