Zurzeit werden in Deutschland viele Serien produziert - für Kreative, die einen Job suchen, ist das gut. Für Produktionsfirmen, die Mitarbeiter suchen, läuft es aber gerade nicht so gut. Im Filmgeschäft sind kaum Kreative zu finden, die nicht schon in andere Projekte eingebunden sind. Manche haben auch irgendwann keine Lust mehr auf lange Arbeitszeiten, erschwerte Produktionsbedingungen und schlechte Bezahlung und schulen einfach um. Manche gehen in den sozialen Bereich. Aber die Film- und Fernsehbranche konkurriert auch mit der Werbebranche um Mitarbeiter - zwar sind die Arbeitszeiten bei Werbedrehs nicht kürzer, aber die Bezahlung oft besser.

Christiane Ruff arbeitet seit 30 Jahren in der Filmbranche. Sie ist Produzentin und zurzeit auch Geschäftsführerin von ITV Studios Germany. Das ist der deutsche Ableger einer britischen Produktionsfirma. Neben erfolgreichen TV-Formaten wie "Das Dschungelcamp" und "Das Perfekte Dschungelcamp" produziert sie auch Serien. Vorausgesetzt, sie findet Personal dafür.

"Das Thema Personalmangel ist wirklich dramatisch."
Christiane Ruff, ITV Studios Germany

Vor allem Drehbuchautoren und Regisseurinnen zu finden, ist schwierig. Aber es fehlen auch überall im Filmbereich Leute. Sobald ein Set-Aufnahmeleiter oder Beleuchter wegen Krankheit ausfällt, ist es fast unmöglich, schnell Ersatz zu finden.

"Dieses Problem haben wir mittlerweile in jedem Projekt. Wenn jemand ausfällt, Ersatz zu finden ist im Sommer undenkbar. Teilweise im Winter noch schwierig."
Romy, Aufnahmeleiterin

Sybille Steinfartz arbeitet als Arbeitsvermittlerin bei der ZAV-Künstlervermittlung. Sie vermittelt Leute für mehr als 50 Berufe in Film- und Fernsehproduktionen. Diesen Job macht sie seit 14 Jahren. Davor hat sie selber beim Film gearbeitet. Sie hat also einen guten Einblick in die Branche. Der Grund für den Personalmangel: Es gibt keinen Nachwuchs, sagt Sybille Steinfartz. Denn durch die Einführung des Mindestlohns ist der Einstieg in die Branche noch schwieriger geworden.

Arbeitsbedingungen: Filmbranche hat schlechten Ruf

Über mehrere gering bezahlte Praktika in einer Firma Fuß zu fassen, wie es zum Beispiel auch die Aufnahmeleiterin Romy gemacht hat, mit der unsere Reporterin Simone Schlosser gesprochen hat, ist seit der Einführung des Mindestlohnes nicht mehr möglich. Außerdem hat die Filmbranche nicht gerade den besten Ruf: lange Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung und insgesamt unsichere Beschäftigungsverhältnisse.

"Wir haben ganz viele jedes Jahr wieder, die wir aus der Kartei rausstreichen müssen. Wo wir echt traurig sind, weil es tolle Filmleute sind, die sagen, sie schaffen das nicht mehr. Viele gehen in soziale Berufe."
Sybille Steinfartz, ZAV-Arbeitsvermittlung

Zumindest im Kreativbereich entspannt sich die Personalsituation langsam. Das liegt daran, dass vereinzelt neue Ausbildungsmöglichkeiten für den Nachwuchs geschaffen werden. Für Drehbuchautorinnen gibt es mittlerweile beispielsweise spezielle Serienschulen. Die Produzentin Christiane Ruff ist sich trotzdem sicher: Mindestens die kommenden beiden Jahre werden eine Herausforderung.