Am Ende des Films "Titanic" geht der Dampfer unter – uups, war das etwa schon ein Spoiler? Unsere Reporterin Anna Wollner sagt: nein. Historische Tatsachen und somit alles, was auf Wikipedia nachgelesen werden kann, hält die Film- und Serienexpertin für Informationen, die auch in Filmkritiken offenbart werden dürfen.

Als Film- und Serienkritikerin hat Anna Wollner einen einfachen Grundsatz: Sie möchte Menschen, die einen Spielfilm oder eine Serie noch nicht gesehen haben, weder den Spaß noch die Spannung verderben. Sie spoilert einfach nicht.

Wie blöd es sein kann, wenn man einen Twist in der Handlung, der sich in keinster Weise angekündigt hat, schon vorher erfährt, hat sie schon einmal schmerzlich selbst erfahren müssen. Eine Freundin hatte ihr einen Tag bevor sie eine Folge der Serie "Desperate Housewives" angesehen hat, gesagt, dass einer der Charaktere... – aber lassen wir das. Vielleicht habt ihr ja noch vor, die Serie zu schauen?

Das "unsinkbare" Passagierschiff sinkt

Eine Ausnahme macht Anna Wollner bei der tragischen Liebesgeschichte um Rose und Jack, die von Kate Winslet und Leonardo di Caprio verkörpert werden. Die fiktiven Charaktere lernen sich an Deck des Passagierschiffes Titantic kennen – kurz vor dessen monumentalen Untergang im gleichnamigen Film. Bei diesem Epos darf man ruhig spoilern, dass der Dampfer auf einen Eisberg aufprallt und dadurch untergeht, weil es sich dabei um eine historische Tatsache handelt, sagt die Filmreporterin.

Filmkritiken werden schwieriger, wenn man Spoiler vermeiden will

Eine Filmkritik ist mehr als nur die Filmhandlung nachzuerzählen, sagt Anna Wollner. Wenn sie über einen Film spricht, geht es ihr darum, den Film als Kunstwerk im Ganzen zu besprechen. Spoiler zu vermeiden, erschweren ihr dabei den Job.

Aber bestimmte Schlüsselszenen und Wendungen in ihren Kritiken wegzulassen, kann auch etwas Gutes haben, findet unsere Reporterin. Sie sagt, dass es im Idealfall die Neugier und Vorfreude auf das besprochene Werk steigern kann.

"Ich halte es da ein bisschen wie mit dem Cliffhanger: Bis zu einem gewissen Punkt erzählen – und dann einfach aufhören."
Anna Wollner, Deutschlandfunk Nova

Rücksichtslos seien dabei diejenigen, die auf ihren Social-Media-Kanälen regelmäßig spoilern würden, sagt Anna Wollner. Durch das Internet und vor allem die sozialen Medien habe ein großer Kontrollverlust und Vertrauensmissbrauch Einzug gehalten.

Das führt dazu, dass beispielsweise die Streaming-Plattform Netflix immer extremere Sperrfristen eingeführt habe, sagt unsere Reporterin. Außerdem müsse sie vermehrt Spoiler-Notes lesen, in denen steht, welche Dinge auf keinen Fall verraten werden dürfen.

Dadurch wird Anna Wollner regelmäßig selbst gespoilert, was sie bedauerlich findet. Und auch in Interviews kann ihr das passieren. Der Filmstar Tom Holland, der im vergangenen Jahr unter anderem in "Spider-Man: No Way Home" die Hauptrolle gespielt hat, ist bekannt dafür, dass er regelmäßig Geheimnisse ausplaudert.

Anna Wollner könnt ihr regelmäßig bei uns in Eine Stunde Film hören. Hier findet ihr einen Überblick über die Themen.