Seit Jahren klagt Netflix gegen die deutsche Filmförderung: Die EU-Kommission hat beschlossen, dass auch ausländische Streaming-Anbieter zahlen müssen, doch der Netflix-Konzern will auf keinen Fall in die Förderung einzahlen. Obwohl auch er von ihr profitiert.

Im Prinzip ist die deutsche Filmförderung ein riesiger Topf voll Geld, in den auch Filmunternehmen einzahlen. Kinos, Filmverleiher wie Fox, Warner oder Disney und eben auch Videoportale wie Amazon oder eben Netflix müssen Geld in diesen Topf stecken, damit daraus dann Filme gefördert werden können.

Netflix will nicht zahlen

Allerdings weigert sich Netflix dagegen, ebenso wie Apple oder Microsoft. Die Begründung: Ohne Niederlassung in Deutschland müssten sie nicht zu den Einzahlern gehören. Der Streaming-Anbieter hat auch ein Problem damit, dass er Zahlen offen legen müssen - der Förderbeitrag berechnet sich nämlich prozentual an den Bruttoeinnahmen. Deswegen klagt Netflix vor dem Europäischen Gerichtshof.

"Netflix verdient mit den aus deutschen Steuergeldern finanzierten Filmen am Ende Geld."
Anna Wollner, Deutschlandfunk Nova

Dabei gehört Netflix auch zu den Profiteuren der deutschen Filmförderung.  Der Film "Mute" von Duncan Jones etwa wurde mit 200.000 Euro vom Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützt und bekam eine Million aus dem German Picture Fond. "Netflix hat also 1,2 Millionen Euro für eine Eigenproduktion bekommen", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Wollner, "redet sich aber raus, dass nicht sie selbst, sondern die Produktionsfirma die Anträge gestellt hat".

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Dazu kommt, dass die meisten Filme auf Netflix eben keine Eigenproduktionen sind, sondern eingekaufte Filme, die eben auch mit Fördergeldern produziert worden sind. Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters kommentiert dieses Netflix-Verhalten mit: "Nehmen, nehmen, nur nicht geben."

Viel Geld für die Filmwirtschaft

Förderung ist extrem wichtig für die Filmmacher. "Produzenten sind immer sehr lange damit beschäftigt, Geld für einen Film zusammenzutreiben aus möglichst vielen Töpfen", sagt Anna Wollner. Auf Bundesebene gibt es etwa den Deutschen Filmförderfond mit 75 Millionen Euro, auf Länderebene hat jedes Bundesland noch seine eigenen Fördermaßnahmen. Dazu gibt es dann verschiedene Auflagen, etwa, dass das Geld in der Region ausgegeben werden muss oder das Team aus dem jeweiligen Bundesland kommt.

Im Idealfall ist die Filmförderung eine Win-win-Situation: Der Film als Kulturgut profitiert von der Förderung. "Denn dadurch können ja überhaupt erst Filme gemacht werden", sagt Anna Wollner, "denn die wenigstens spielen ihre Produktionskosten wieder ein". Auf der anderen Seite werden große Filmproduktionen angelockt, und wenn George Clooney in Babelsberg dreht, dann schafft das auch Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

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