Illegale Fischerei ist ein lukratives Geschäft: Schätzungen zufolge wurde etwa jeder fünfte Fisch auf unseren Tellern illegal gefangen. Gründe dafür sind: kaum vorhandene Kontrollen und komplizierte Zuständigkeiten.

Illegale Fischerei heißt: Flotten ignorieren Fangverbote oder benutzen zum Beispiel falsche Netze. Herauszufinden, wo ein Fisch herkommt, ist aber sehr schwierig und so sind 15 bis 30 Prozent der Fische auf dem Markt illegal gefangen worden. Fast ein Drittel der Bestände gilt mittlerweile als überfischt.

Mit Satelliten gegen illegale Fischerei

Gerade vor Westafrika und in asiatischen Gewässern gibt es nicht genug Kontrollen auf dem Meer, oder die Kontrollen werden durch Korruption umgangen. Es gibt aber inzwischen Methoden, mit denen Behörden der illegalen Fischerei auf die Schliche kommen können, zum Beispiel mit Hilfe von Satelliten.

Satelliten nutzt auch die Nichtregierungsorganisation SkyTruth. Sie sitzt in der kleinen Stadt Shephardstown in West Virginia und hilft von dort aus, weltweit Umweltsünden aufzudecken. Alles anhand von Satellitendaten und –bildern, dabei spüren sie auch illegale Fischereiflotten auf:

"Jeden Tag sammeln wir 20 Millionen Datenpunkte, die von insgesamt 200.000 Schiffen auf See gesendet werden. Das sind allerdings alle Arten von Schiffen"
SkyTruth-Gründer John Amos

Diese Datenmenge wird dann analysiert: Wie bewegen sich die Schiffe, wo waren sie, und sind diese Bewegungen typisch für ein Fischereischiff? John Amos erklärt, dass sie an der Art, wie sich ein Schiff bewegt, ablesen können, welches Netz sie verwenden.

Weil eigentlich alle größeren Schiffe über ein sogenanntes AIS permanent ihre Positionsdaten senden müssen, können Umweltschutzorganisationen Fischereiboote ganz einfach vom Computer aus beobachten. AIS ist ein automatisches Identifikationssystem, das ursprünglich entwickelt wurde, um Kollisionen von Schiffen zu vermeiden. Doch es kann auch dabei helfen, die weltweite Fischerei zu überwachen. Auf der Webseite globalfishingwatch.org bereiten SkyTruth und andere Organisationen alle Daten auf, so dass jeder Mensch schauen kann, was in den heimischen Meeren gerade passiert und welches Fischereischiff wo unterwegs ist. In einem Blog sammelt SkyTruth zudem verdächtige Beobachtungen:

5. Januar, 2016: Post auf skytruth.org:

"Über die letzten Monate haben wir ungewöhnliche Bewegungen einer chinesischen Fischereiflotte in einem sehr abgelegenen Gebiet des Indischen Ozeans beobachtet. Diese Schiffe geben an, Fischereiboote zu sein. Wir konnten sie aber in keinem öffentlichen Fischerei-Register finden, und sie sind 500 Meilen von dem nächsten bekannten Fischereiboot entfernt."

Dieser Post führte dazu, dass SeaShepherd, eine andere Nichtregierungsorganisation, auf die chinesische Flotte Fu-Yan im Indischen Ozean aufmerksam wurde. SeaShepherd fand heraus, dass die Fu-Yan-Flotte illegale Fischerei-Methoden anwandte, und informierte die Behörden. Es folgte eine 1500 Seemeilen lange Verfolgungsjagd vom Indischen Ozean bis in einen chinesischen Hafen. Dort entzogen die Behörden der Fu-Yan-Flotte kurze Zeit später die Fanglizenzen und verhängen Bußgelder in Höhe von 300.000 US-Dollar pro Schiff.

Zwar schalten die meisten illegal fischenden Boote ihr AIS aus oder fälschten die Daten. Doch mit ein paar Tricks können auch solche Boote entdeckt werden. Und auch mit Hilfe von Satellitenbildern lassen sich verdächtige Schiffe überwachen. So steigt der Druck auf Boote, die illegal fischen, meint John Amos.

​"Ich denke, dadurch, dass wir eine Plattform zur Verfügung stellen, die all die regelkonformen Fischereiaktivitäten für die Öffentlichkeit sichtbar macht, wird die 'dunkle Flotte' immer kleiner werden."
SkyTruth-Gründer John Amos