Fitness-Apps sind beliebt und sollen eine Alternative zum Fitnesscenter oder Trainer sein. Ob sie individuell genug sind, damit sich auch Anfänger nicht verletzen, hat unsere Reporterin getestet.

Runtastic Results und Freeletics zählen zu den bekanntesten Fitness-Apps. In den kostenlosen Basisversionen gibt es Workouts für Bodyweight-Fitness - Übungen, die man mit dem eigenen Körpergewicht ausführen kann, ohne dass man Gewichte oder Geräte dafür braucht. Das ist praktisch für diejenigen, die flexibel sein wollen: Sie können ihr Sportprogramm zu jeder gewünschten Zeit starten und überall durchführen.

Ausgangslage: Fitness zu gering, Gewicht zu hoch

Unsere Reporterin Suzan Bazarkaya hat vor drei Jahren angefangen, zwei Mal die Woche mit einem Personal Trainer zu trainieren. Das war sehr effektiv: Zu dieser Zeit war sie sehr fit und hat - auch mithilfe einer Ernährungsumstellung zehn Kilogramm abgenommen. Dann ist vor zwei Jahren ihr Trainer weggezogen und seit dem war sie nicht mehr beim Sport.

"Gut war, dass es möglich ist, sich Demovideos der Übungen anzuschauen, in denen man die Technik erklärt bekommt. Trotzdem garantiert es nicht, dass derjenige, der keinerlei Vorerfahrungen hat, die Übung dann auch richtig ausführen kann."

Resultat: Das Gewicht ging wieder hoch und die Fitness ließ nach. Suzan ist immer noch beim Fitnesscenter angemeldet, geht aber nicht mehr hin. Sie möchte die Apps testen, um zu sehen, ob sie sich dadurch motivieren kann, wieder mehr Sport zu machen.

Zeitdruck und Anstrengung führt zu ungenauer Ausführung

Um festzustellen, wie hoch die Verletzungsgefahr für einen unfitten Menschen oder einen Anfänger ist, fragt Suzan Personal-Trainer Simon Mehl, ob er sie beim Test-Training begleiten kann. Er soll darauf achten, ob eine ungeübte Person wie Suzan in der Lage ist, die Anleitungen richtig zu verstehen und die Übungen korrekt umzusetzen. Ihm fällt auf, dass sie bei den Übungen gelegentlich vergisst, bestimmte Muskelgruppen anzuspannen oder gleichmäßig weiter zu atmen.

Reporterin Suzan Bazarkaya trainiert mit Fitness-App - Personal Trainer Simon Mehl achtet darauf, dass sie nichts falsch macht.
© Suzan Bazarkaya | DRadio Wissen
Reporterin Suzan mit Trainer Simon Mehl

Die Videos stellen also keine Garantie dafür dar, dass auch ein Anfänger in der Lage ist, alles richtig umzusetzen. Und auch Suzan merkt selbst: Sobald die Übungen anstrengender werden, fängt sie an zu schludern, um die vorgegebene Wiederholungszahl in der begrenzten Zeit zu schaffen, die die App vorgibt.

Screenshots der App Runtastic Results.
© Screenshots App: Runtastic Results
Reporterin Suzan mit Trainer Simon Mehl

Hinweis durch App: Beim Arzt abklären, ob die Sportart geeignet ist

Die kostenlosen Versionen bieten nur eine begrenzte Zahl von Übungen und keinen individuellen Trainingsplan. Nur wenige Daten werden abgefragt, wenn sich ein Nutzer neu anmeldet. Bei Freeletics muss unsere Reporterin Suzan beispielsweise nur angeben, welches Geschlecht sie hat, ob ihre Fitness gering, mittel oder hoch ist und welches Ziel sie hat: abnehmen, fit werden oder den Körper definieren.

"Ich finde gut, dass der Hinweis kommt. Besonders bei Bluthochdruck, bei Verletzungen an den Gelenken oder chronischen Erkrankungen ist es wichtig, ärztlich abzuklären, ob diese Art des Trainings was für einen ist.

Minuspunkt: Fehlendes Warm-up-Training

Die App fragt nicht nach Gewicht, Körpergröße oder Alter. Allerdings weist Freeletics darauf hin, dass der Nutzer bei einem Arzt abklären soll, ob die Übungen für ihn geeignet sind. Die Übungen sind machbar und werden von Sportlern in kurzen Videoclips anschaulich mit schriftlichen Einblendungen vorgeführt.

Die App startet allerdings direkt ein Work-out - ein Aufwärmtraining ist hier nicht zwingend eingeplant. Bei Runtastic Results ist es genau andersherum: Es gibt keinen Hinweis, dass Suzan beim Arzt abklären soll, ob sie fit genug ist, dafür aber ein Warm-up. Und beim Durchschauen der Videos entdeckt Trainer Simon Videos, in denen die Übungen ungenau ausgeführt werden.

Social Media soll Motivation bringen

Bei beiden Apps können sich User über die Sozialen Medien anzeigen lassen, welche Facebook-Freunde die App nutzen oder die entsprechende Seite liken oder der Gruppe beitreten, um sich mit anderen Usern auszutauschen. Das soll motivieren und dabei helfen, die Apps langfristig zu nutzen und somit in der Lage zu sein, die eigenen Ziele zu erreichen.