Sport-Tutorials auf YouTube versprechen kostenlose Kurse wie aus dem Fitness-Studio. Sportwissenschaftler Stephan Geisler sieht das sehr kritisch und meint: Es ist sehr schwierig zu unterscheiden, welche Anleitungen tatsächlich gut für die eigene Fitness sind.

Morgens spontane Lust auf Yoga - dann einfach das Smartphone an und ein zwanzigminütiges Workout-Video befolgen. Oder lieber doch ein schnelles Krafttraining, das straffe Muskeln innerhalb von sechs Wochen verspricht? Sport-Tutorials klingen ja eigentlich viel besser, als sich zum Fitness-Studio schleppen zu müssen, und werden millionenfach geklickt.

Sport-Tutorial statt Fitness-Studio?

Trotzdem kann man bei den Sportvideos besonders im Alleingang recht viel falsch machen. Denn ein Video funktioniert schließlich frontal und ersetzt keinen Trainer. Kein Tutorial kann einem innerhalb von 20 Minuten beibringen, wie Schwergewichte heben geht.

Davor warnt auch Stephan Geisler. Der Sportwissenschaftler ist unter anderem Dozent an der IST-Hochschule Düsseldorf, betreibt aber auch einen eigenen Fitness-YouTube-Kanal. In seinen Videos setzt er auf wissenschaftliche Analysen statt auf Vorzeige-Übungen.

Mit seinem Kanal möchte der Dozent speziell Trainer oder professionelle Sportlerinnen und Sportler ansprechen. Die könnten dann genau abschätzen, was ihre Körper mitmachen würden und was nicht.

"Ungefährlich ist es vor allem für den, der sich auskennt."
Stephan Geisler, Sportwissenschaftler

Ganz abgeneigt ist Stephan Geisler gegenüber den Video-Anleitungen trotzdem nicht: Schließlich können Tutorials auch Leute, die vielleicht niemals ins Fitnessstudio gehen würden, dazu inspirieren, mehr Sport zu treiben.

"Für mich ist jede Bewegung besser, als auf der Couch zu vergammeln."
Stephan Geisler, Sportwissenschaftler

Die große Kunst sei es, so Stephan Geisler, filtern zu können, welche Tutorials professionell gestaltet sind und welche dazu dienen, etwas zu verkaufen. Das kann bei Sportvideos etwa dadurch geprüft werden, welchen Hintergrund der Trainer oder die Trainerin hat und ob progressive Stufen gezeigt werden, die von leichten zu schweren Übungen übergehen.

Auf den eigenen Körper zu hören kann auch nie schaden.