Wie viele Flüchtlinge auf dem Mittelmeer bislang ums Leben gekommen sind, weiß niemand genau. Forscher haben jetzt in die Sterberegister geschaut.

Die Zahl von 3188 Todesfällen in den Jahren von 1990 bis 2013 erscheint einem klein im Vergleich zu den Schätzungen, die beispielsweise Fortress Europe oder United for Intercultural Action mit rund 20.000 Toten für einen ähnlichen Zeitraum angeben. Die Forscher der Freien Universität Amsterdam haben in die Sterberegister von 560 Küstenstädten in Italien, Griechenland, Malta, Gibraltar und Spanien geschaut, die die Toten aufgenommen und beerdigt haben. Offiziell sind also 3188 in den Sterberegistern registriert. Diese Zahl ist die erste verlässliche Angabe zu den Todesopfern.

Mithilfe der Datenbank können die Forscher belegen, dass sich die Zahl der Toten seit dem Jahr 2000 jährlich verdoppelt hat und 2013, dem letzten Untersuchungsjahr, der Anstieg enorm war. In diesem Jahr sind allein vor Lampedusa 400 Flüchtlinge verunglückt. Bemerkenswert ist, dass sich weder die betroffenen Länder noch die EU bislang die Mühe gemacht haben, diese registrierten Todesfälle zusammenzufassen. Die Forscher stellen ihre Ergebnisse auf der Seite borderdeaths.org vor.

Mit ihrer Initiative hoffen die Forscher, die Politiker dazu zu bewegen, zentral die Zahl der Todesopfer zu erfassen und ihre Flüchtlingspolitik zu ändern. Mithilfe einer zentralen Anlaufstelle könnten viele der anonymen Opfer eventuell nachträglich identifiziert werden, weil beispielsweise Verwandte, die nach ihren verschollenen Angehörigen suchen, sich bei der Stelle melden könnten.