Bei Fleischersatzprodukten denken viele von uns an Soja. Doch die Pflanze hat alles andere als einen umweltfreundlichen Fußabdruck. Ganz anders: Die heimische Ackerbohne. Sie könnte in den nächsten Jahren zum veganen Proteinlieferanten Nummer Eins werden.

Saubohne, Dicke Bohne, Puffbohne, Farberbohne – die Ackerbohne hat viele verschiedene Namen. Wenn sie geschält und gekocht ist, ist sie weiß und ungefähr so groß wie ein Fünf-Cent-Stück. Alles eher unscheinbar, doch die Bohne hat deutlich Potenzial. Zu Unrecht ist sie aus den Kochbüchern geflogen. Ihre Zukunft: proteinreicher Fleischersatz.

Bohnen-Anbau: Eine Win-Win-Situation

Das Potenzial der Frucht hat auch die Firma Roland Beans erkannt, die seit einem Jahr Ackerbohnen zwischen Weser und Elbe an der deutschen Bucht anbaut. Küstenbohne wird sie deshalb auch manchmal genannt. Für den Vertriebsleiter der Firma, Alexander Rosenow, ist das der perfekte Anbauort für diese Bohne, denn sie kann unter feuchten Bedingungen den besten Ertrag liefern.

"Die Ackerbohne braucht sehr viel Feuchtigkeit und kann eben unter feuchten Bedingungen sehr gut Ertrag bilden."
Alexander Rosenow, Vetriebsleiter bei Roland Beans

Die Region tut allerdings nicht nur der Bohne gut, sondern auch die Bohne der Region. Denn sie kann sehr viel Stickstoff aus der Luft binden und braucht dadurch kaum oder nur sehr wenig zusätzlichen Dünger. Selbst nach der Ernte bleibt der Stickstoff noch im Boden gebunden, der so fruchtbarer ist als zuvor.

Brot aus Ackerbohnenschrot

Der Lebensmitteltechnologe und Bäcker Thomas Krause arbeitet ebenfalls für Roland Beans. Ein Fleischersatz aus Ackerbohnen ist zwar bisher noch nicht marktreif, dafür aber Backwaren mit Ackerbohnen. Thomas Krause backt zum Beispiel ein proteinreiches Brot aus Dinkel- und Ackerbohnenschrot, das ein Kunde der Firma auf den Markt bringen möchte.

Thomas Krause backt bei Roland Beans ein Brot aus Ackerbohnenschrot
© Felicitas Boeselager
Thomas Krause backt ein Brot aus Ackerbohnenschrot

Auch Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Felicitas Boeselager hat ein Testbrot von Thomas Krause bekommen. Die Konsistenz beschreibt sie beim Aufschneiden als "klebrig". Dass in dem Schrotkornbrot Bohnen verarbeitet sind, darauf wäre sie nicht gekommen. Für Thomas Krause ist das eine der Herausforderungen, denn den typisch bohnigen Geruch möchte er nicht in seinem Brot haben.

"Die große Herausforderung ist: Jeder, der zuhause schon mal mit zum Beispiel mit Kichererbsen gekocht hat, kennt diesen bohnigen Geruch in der Küche, den wir natürlich nicht haben wollen."
Thomas Krause, Bäcker und Lebensmitteltechnologe

Die vergessene Frucht

Felicitas Boeselager hat sich zusätzlich zum Brot auch Ackerbohnen in reiner Form gekauft. Damit möchte sie eine Bohnenpfanne ausprobieren. Neben den Bohnen sollen Fenchel, Schalotten, Knoblauch und Petersilie rein.

Ackerbohnen, Fenchel, Schalotten und Petersilie liegen auf einem Schneidebrett
© Felicitas Boeselager
Die Vorbereitungen für eine Bohnenpfanne mit Ackerbohnen

Für unsere Vorgängergenerationen war es selbstverständlich, das Eiweiß auf pflanzlicher und nicht auf fleischlicher Basis zu sich zu nehmen. Früher gab es über zwanzig verschiedene Hülsenfrüchte, erzählt Alexander Rosenow. Davon kennen viele heute nur noch Erbsen, Bohnen, Lupine oder Linsen.

"Wir kennen heute noch die Lupine oder die Erbse und die Bohne, das ist grad mal übrig geblieben, wir hatten früher in Deutschland zwanzig verschiedene Hülsenfrüchte."
Vertriebsleiter Alexander Rosenow über das Vergessen von Hülsenfrüchten

Doch über die Jahre wurden die Bohne und viele andere Hülsenfrüchte in der modernen Rezeptentwicklung von Lebensmitteln vergessen, erzählt Alexander Rosenow. An ihren Platz trat der Verzehr von Fleisch, Eier und Milchprodukten.

Verdrängung durch die Sojabohne

In Folge dessen trat auch die Sojabohne ihren Siegeszug an – als Tierfutter. Sie wurde in großen Mengen und zu billigsten Preisen aus Nord- und Südamerika importiert. Regionale Landwirte konnten da mit der Ackerbohne bald nicht mehr mithalten. Allein in den Jahren 2013 bis 2015 hat die EU im Jahresdurchschnitt 36,1 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot importiert - mit verheerenden Umweltfolgen in Brasilien, Argentinien und Paraguay.

Viel Potenzial für Fleischersatzprodukt

Nun soll die Ackerbohne dabei helfen, die Ernährung weg von dem fleischbasierten hin zu pflanzlichem Eiweiß zu entwickeln. Alexander Rosenow sieht die Frucht beispielsweise ideal geeignet, um in Snackprodukten als Proteinquelle zu dienen.

"Zum Beispiel Snackprodukte: Die Proudly Green Produkte, die in Fastfoodketten angeboten werden, brauchen eine Proteinquelle. Dafür eignet sich im hohen Maße die Ackerbohne."
Alexander Rosenow, Vetriebsleiter bei Roland Beans

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Felicitas Boeselager ist definitiv von der Bohne überzeugt. Ihre Bohnenpfanne schmeckt ihr und sei bei weitem nicht so "verstaubt wie das Image", das die Bohne habe.