Flugzeuge können heute schon mit Treibstoff aus altem Frittenfett fliegen. Viele Fluggesellschaften werben dann auch mit grünem Biokraftstoff. Der ist zwar besser als herkömmliches Kerosin, aber auch hier hakt es noch.

Wie Fliegen auch umweltfreundlicher geht, dazu wird viel geforscht. Ein Ansatz sind Treibstoffe aus alten Pflanzen- und Speiseölen. Die sind ein wesentlicher Inhaltsstoff im sogenannten Sustainable Aviation Fuel (SAF). Der Biokraftstoff soll die CO2-Emissionen und allgemein die Klimaschädlichkeit des Fliegens verringern.

Ihr Vorteil: Turbinen können ihn heute schon verbrennen. Die Fluggesellschaften müssen also keine neuen Flugzeuge anschaffen, um mit dem alternativen Treibstoff zu fliegen.

Lufthansa hat sich gerade auch 1,8 Millionen Tonnen von dem Sustainable Aviation Fuel beim Mineralölkonzern Shell gesichert. Die möchte die Fluggesellschaft innerhalb der kommenden sechs Jahre einsetzen.

"Frittenfett ist ein wesentlicher Rohstoff für SAF. Allerdings braucht es etwas mehr, als deine Pommesbude liefern kann."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die ganze Flotte wird die Fluggesellschaft damit vermutlich nicht versorgen können. Laut einem Jahresbericht des Unternehmens hat es im vergangenen Jahr etwas mehr als vier Millionen Tonnen herkömmlichen Treibstoff verbraucht. Mit diesem Bedarf würden die 1,8 Millionen Tonnen Biokraftstoff in den kommenden sechs Jahren knapp sieben Prozent am gesamten Treibstoffverbrauch ausmachen.

Vor der Coronavirus-Pandemie – als wesentlich mehr Flugzeuge unterwegs waren – hatte die Fluggesellschaft über zehn Millionen Tonnen Treibstoff aufgebraucht. Wenn sie in dem Sechs-Jahres-Zeitraum dahin zurückkommt, wäre der SAF-Anteil am gesamten Treibstoffverbrauch noch mal geringer.

Biokraftstoff noch als Nischenprodukt

In der Theorie ist es grundsätzlich möglich, mit hundert Prozent Biokraftstoff zu fliegen. Im März 2022 gab es dazu auch einen Testflug mit einer A380-Maschine. Praktisch gesehen ist die Herstellung des alternativen Treibstoffs allerdings noch relativ aufwendig und – im Vergleich zum europaweit subventionierten Kerosin auf Mineralölbasis – teuer.

Und es gibt auch ein Limit für Biokraftstoff durch die internationale Standardisierungsorganisation ASTM: Sie lassen bisher nur maximal 50 Prozent Biokerosin in Flugzeugen zu. Andernfalls würden die Fluggesellschaften ihren Versicherungsschutz verlieren. Der alternative Treibstoff wird dem herkömmlichen Kerosin aktuell also noch beigemischt.

100 Liter altes Frittenfett = 80 Liter Biotreibstoff

Weil solche alternativen Treibstoffe wie SAF aber als wichtiger Baustein für weniger CO2-Emissionen im Flugverkehr gelten, planen große Hersteller wie Shell, BP oder Total gerade eigene Anlagen zur Biokraftstoff-Herstellung oder haben sie bereits.

"Das Ganze ist auch eher noch im experimentellen Stadium und läuft so, dass man diese SAFs dem klassischen Kerosin beimischt."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Im Emsland stellt BP zum Beispiel den Treibstoff aus alten Fetten und Ölen aus Fritteusen, Kochrückständen oder auch Biomasse-Abfällen aus Kantinen und Gastronomiebetrieben schon her. 100 Liter altes Frittenfett können dann zu 80 Liter Flugzeugtreibstoff werden.

Klimafreundlicher, aber nicht neutral

In der Flugbranche wird gerne betont, wie viel nachhaltiger SAF als grüner Biosprit im Vergleich zu bisherigem Treibstoff sei. Was laut des Fachportals Aviation Direct allerdings oft nicht angesprochen wird, ist, dass bei der Verbrennung in den Triebwerken trotzdem noch Kohlenstoffdioxid entsteht. CO2-neutrale Flüge wird es damit also nicht geben. Die seien mit der heutigen Luftfahrttechnik aus physikalischen und chemischen Gründen nicht möglich.

"Was SAFs nachhaltiger macht ist, dass das alte Fett, aus dem der alternative Treibstoff gewonnen wird, nach Möglichkeit im Entstehungsprozess mehr Kohlenstoffdioxid gebunden hat als bei der Verbrennung entsteht", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte.

Zumal das alte Fett eben ein Abfallprodukt ist, dass quasi recycelt wird – anders als Mineralöl, das erst abgebaut werden muss. Die Herstellung von SAF verbraucht wiederum viel Strom. Bisher bleibt der Biokraftstoff ein Nischenprodukt.

Die Bundesregierung möchte die Technologie allerdings fördern und mehr zu synthetischen und nachhaltigen Kraftstoffen forschen, damit Deutschland einmal Marktführer werde, so heißt es im Koalitionsvertrag.