Deutschland hat zu wenig günstigen Wohnraum - ein Problem für Menschen mit wenig oder gar keinem Einkommen wie zum Beispiel Flüchtlinge. Eine Lösung könnten flexible Wohnungen auf Flachdächern sein.

Trostlose Containeransammlungen oder unwürdige Lager in Turn- und Messehallen will niemand sehen. Und wohnen möchte da schon gar keiner drin. Darum haben Architekturstudenten an der Leibniz Universität Hannover ein Semester darüber nachgedacht, wie solche Notlösungen von smarten Unterkünften abgelöst werden können. Billiger als Container zu bauen, scheint auch kein Problem mehr zu sein. Container sind inzwischen knapp und mit der Knappheit werden Geschäfte gemacht, sagt Architekturprofessor Jörg Friedrich.

"Zurzeit ist es so, dass wir bei den Blechcontainern Preise haben, die bei Quadratmeter-Preisen von gehobenen Eigentumswohnungen in mittleren Großstädten liegen.“
Jörg Friedrich, Architekturprofessor

Freie Grundstücksflächen in deutschen Innenstädten gibt es so gut wie keine - dafür aber viele Flachdächer auf Gebäuden, die den Städten selbst gehören. Genau hier lassen sich nach Ansicht des Architekturprofessors flexible Wohnmodule errichten, deren Baupreis noch unter 800 Euro pro Quadratmeter liegen.

Flexibler Wohnraum mit Trennwänden

Entworfen haben die Studenten Simon Beckmann, Paul Eichholtz, Tassilo Gerth und Sinje Westerhaus einen Holzskelettbau. Ihre Idee ist es, Ateliers und Wohnraum für Flüchtlinge zu kombinieren. Grundmodell ist eine große Gemeinschaftszone ohne Trennwände, die dann individuell nach Bedarf eingesetzt werden können. Sollten die Flüchtlinge irgendwann wegziehen, können die Module wieder leicht umgebaut werden.

"Es gibt kein Flüchtlings-Wohnungsproblem, es gibt ein akutes Wohnproblem. Und zwar für sehr einkommensschwache Schichten, dazu gehören auch Flüchtlinge."
Jörg Friedrich, Architekturprofessor

Die Schlafräume sind nur mit sechs Quadratmetern geplant, zu wenig Platz für ganze Familien. Dafür können auf einer Etage aber bis zu zehn einzelne Flüchtlinge wohnen. Der Entwurf soll nun konkret auf dem Fakultätsdach umgesetzt werden. Bislang fehlt aber noch der Bauherr, der das ganze Bauprojekt finanziert.

Die Wohnideen der Studenten sind gesammelt in dem Buch "Refugees Welcome. Konzepte für eine menschenwürdige Architektur" - herausgegeben von Friedrich, Jörg; Takasaki, Simon; Haslinger, Peter; Thiedemann, Oliver und Borchers, Christoph - im Jovis Verlag Berlin erschienen.

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