Seit Jahresbeginn kamen rund 40.000 Flüchtlinge nach Italien. Jetzt lässt Rom spezielle Abschiebezentren bauen - die Gefängnissen ähneln.

Seit Jahresbeginn kamen rund 40.000 Flüchtlinge nach Italien. Die italienische Regierung hat jetzt angekündigt, viele der Menschen sofort wieder abzuschieben. Dafür werden spezielle Abschiebezentren eröffnet.

Italien plant insgesamt 18 Abschiebezentren mit jeweils bis zu tausend Plätzen. ARD-Korrespondent Jan-Christoph Kitzler hat sich eines der Zentren in der Nähe von Rom angeschaut. Es ist eine Einrichtung für Frauen - mit hohen Mauern und Stahlzäunen, erzählt Kitzler.

"Die Menschen in dem Abschiebezentrum leben dort wirklich wie im Gefängnis."
ARD-Korrespondent Jan-Christoph Kitzler

In dem Zentrum leben 125 Frauen, die aus den verschiedensten Ländern kommen. Zu ihnen zählen 27 Nigerianerinnen. Auf ihrer Flucht nach Europa wurden sie Opfer von Menschenhändlern und wurden zur Prostitution gezwungen, sagt Kitzler. In der Einrichtung würden sie nun zum zweiten Mal zu Opfern.

Es braucht eine EU-weite Lösung

Italiens Regierung will mit den Zentren weitere Flüchtlinge abschrecken, sagt Kitzler. Doch das wird kaum gelingen. 

Offiziell leben zurzeit 175.000 Flüchtlinge in Italien. Schätzungen gehen aber von bis zu 500.000 Menschen aus, die ohne legalen Aufenthaltsstatus im Land leben. Sie sind nach ihrer Ankunft abgetaucht. Viele arbeiten in der Landwirtschaft oder auch in privaten Haushalten - stets mit der Angst aufzufliegen.

"Mit solchen Zentren löst man dieses große Problem der Flucht und Migration nach Europa nicht."
ARD-Korrespondent Jan-Christoph Kitzler

Italien fühle sich allein gelassen, sagt Kitzler. Das Land habe ein riesiges Problem mit der Aufnahme und der Versorgung der Flüchtlinge. Hier braucht es eine Lösung der Europäischen Union insgesamt.