Wohnungen, Geld, Autos und Arbeit: Das wird Flüchtlingen in Youtube-Videos versprochen. Wenn sie dann in Europa ankommen, sieht es für sie ganz anders aus. Der UNHCR versucht, über Falschmeldungen aufzuklären.

In Netzvideos verbreiten vermeintliche Flüchtlinge, die hier oder in anderen europäischen Ländern, Asyl gefunden haben, falsche Infos. Sie schwärmen davon, dass man als Geflüchteter viel Geld bekomme, es leicht sei, eine Freundin oder gute Arbeit zu finden. Diese Videos werden in Krisengebieten wie Syrien millionenfach geschaut und arbeiten den Menschenschmugglern in die Hände. Denn je mehr Leute, die lebensgefährliche Flucht nach Europa antreten, desto mehr verdienen die Schmuggler.

"Die meisten denken, dass sie in Deutschland 6000 Euro als Begrüßungsgeld bekommen, dass es in den Wohnhäusern große Sporthallen mit Swimmingpools gibt, dass man sehr gute Arbeit findet und viel Geld verdient."
Lamá, libanesische Studentin aus Leipzig

Dieses Bild von Deutschland wird noch verstärkt von Falschmeldungen in großen arabischen Medien wie etwa Al Arabia oder Al Jazeera. Auch der arabische Dienst von Russia Today verbreitet Falschmeldungen. Da heißt es zum Beispiel, dass Flüchtlinge mehrere Hundert Euro im Monat bekämen. Das lockt auch Menschen an, die nicht aus Bürgerkriegsgebieten oder den großen Flüchtlingslagern in Afrika und im Nahen Osten kommen.

"Ich hatte gehört, dass jeder Flüchtling in Deutschland 670 Euro im Monat bekommt, und eine Wohnung und, wenn man Deutsch spricht, kann man studieren, ohne etwas zu bezahlen beziehungsweise nur ganz wenig. Und, dass während des Studiums die Wohnung vom Staat bezahlt wird."
Eine junge Syrerin, die anonym bleiben möchte

Beim UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, befasst sich mittlerweile eine ganze Abteilung mit dem übertrieben positiven Image von Europa im Internet. Die sozialen Netzwerke werden systematisch nach Gerüchten und Falschmeldungen durchforstet. Melita Sunjic leitet die Abteilung, die mittlerweile in Wien in angesiedelt ist. Die Mitarbeiter des UNHCR wollen über die tatsächlichen Bedingungen informieren, damit Menschen, deren Leben nicht bedroht ist, nicht auch den Weg nach Europa antreten.

"Die Quelle sind unter anderem die Menschenschmuggler, die natürlich Interesse haben, möglichst viele Leute zu gewinnen, weil das ein Milliardengeschäft ist.
Melita Sunjic, UNHCR