Obwohl sie die Gefahren kennen, überqueren täglich tausende Flüchtlinge in Schlepperbooten das Mittelmeer. Einen anderen Weg lässt ihnen die EU nicht offen.

An der Küste nördlich von Izmir liegt die griechische Insel Lesbos gerade mal 10 Kilometer entfernt. Dazwischen liegt das Mittelmeer. Immer wieder kommen bei der gefährlichen Überfahrt in Schlepperbooten Flüchtlinge ums Leben. Seit Jahresbeginn sollen es schon 3000 Menschen sein, die umgekommen sind. Dennoch bleibt die Landesgrenze zwischen der Türkei und Griechenland dicht. Der Bürgermeister von Lesbos, Spyros Galinos, fordert inzwischen sichere Überfahrten für die Flüchtlinge auf den Fähren, denn das Meer wird jetzt immer rauer und unberechenbarer.

DRadio-Wissen-Reporterin Nina Bust-Bartels trifft in Izmir die 28-jährige Yasmin aus Homs. Sie will mit ihren zwei Töchtern, sieben Monate und zwei Jahre alt, die gefährliche Überfahrt wagen. Ihrem Mann ist die Flucht nach Schweden gelungen. Er wollte Yasmin und die Kinder nachholen, doch das dauert mindestens drei Jahre. Yasmin lebt schon seit einem Jahr in der Türkei. Sie will nicht länger warten. In der Türkei hat sie keine Zukunft. Sie darf nicht arbeiten, und wenn sie erwischt wird, weil sie illegal einen Job angenommen hat, muss sie eine Geldstrafe zahlen. Von Schweden erhofft sich Yasmin einen Job und Kindergartenplätze für ihre Töchter.

EU bietet keine sichere Überfahrt

Schon einmal versuchte Yasmin, nach Lesbos zu gelangen. Mit 53 weiteren Flüchtlingen saß sie in einem Schlauchboot, dessen Motor auf der Überfahrt plötzlich aussetzte. Drei Stunden trieben sie so auf dem Meer, bis sie von der Polizei gerettet und wieder zurück nach Izmir gebracht wurden. Jetzt will sie wieder einen neuen Versuch starten, bevor das Wetter im Herbst noch unbeständiger wird.

Nina fährt mit Fähre von Izmir nach Lesbos. Fast niemand befindet sich an Bord. Angekommen auf der griechischen Insel ist der Strand voll von Schwimmwesten, zurückgelassener nasser Kleidung und Menschen. In notdürftigen Camps helfen Freiwillige, wie die 19-jährige Karoline aus Dänemark, die Flüchtlinge zu versorgen. Auch die Freiwilligen warnen. Die Menschen würden ohnehin unterkühlt und traumatisiert ankommen. Im Winter wird es noch schlimmer und sie hätten kaum die Möglichkeiten die Flüchtlinge angemessen zu versorgen.

"That's why we need the organizations to come in with the tents and everything, so we have a place to put everyone when they get on shore, because it is going to be a matter of seconds and minutes to get them to a warm dry place."
Henrik, Freiwilliger auf Lesbos

Yasmin hat es mit ihren Kindern geschafft und Nina überglücklich eine Sprachnachricht geschickt. Damit hat sie zumindest den gefährlichsten Teil der Flucht heil überstanden.

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