Ein schwer traumatisierter Vater hat in Köln zwei Syrer beschuldigt, eine Gruppe irakischer Flüchtlinge in einem viel zu kleinen Boot übers Meer zu setzen. Acht Menschen, darunter seine Frau, seine Tochter und sein Sohn, sind bei der Überfahrt ums Leben gekommen.

Der irakische Familienvater hat nach der Tragödie seine Flucht fortgesetzt und die beiden Beschuldigten Syrer in einem Kölner Flüchtlingsheim wiedererkannt. Der Familienvater hat die beiden 18- und 20-Jahre alten Schleuser den Behörden gemeldet. Daraufhin wurden sie festgenommen. Sie behaupten selbst auf der Flucht gewesen zu sein und haben in Deutschland einen Asylantrag gestellt.

"Es sieht auf den ersten Blick so aus, weil die Beschuldigten Heranwachsende sind, dass sie die Drecksarbeit für diejenigen gemacht haben, die wirklich Geld damit verdienen."
Andre Schulz, Bundesvorsitzender des Bundes der Kriminalbeamten

Als typische Schleuser könne man die beiden jungen Erwachsenen nicht bezeichnen, sagt Andre Schulz. Der Bundesvorsitzenden des Bundes der Kriminalbeamten weißt aber daraufhin, dass erst die Ergebnisse der Ermittlungen abgewartet werden müssten. Am 7. November fand der erste Verhandlungstag vor der Jugendkammer des Kölner Landgerichts statt.

Köpfe der Schleuserbanden sind schwer zu ermitteln

Innerhalb der Schleuserorganisationen gebe es alle Formen von Organisationsebenen und Mittätern. Das könne auch einfach jemand sein, der in einem Nachbarland lebt und sein Auto zur Verfügung stellt und Menschen über die Grenze bringt.

"Die Köpfe sitzen in den Heimatländern - in Nordafrika - und organisieren das Schleusen. Damit ist richtig viel Geld zu verdienen."
Andre Schulz, Bundesvorsitzender des Bundes der Kriminalbeamten

Für deutsche Behörden sei es schwer zu ermitteln, wer wirklich am Kopf einer Schleuserorganisation sitze, sagt Andre Schulz. In diesem Zusammenhang seien Gesetze auch soweit angepasst worden, dass deutsche Beamte vor Ort in Nordafrika verdeckt ermitteln können, um die Strukturen aufdecken zu können.

Flucht als Gruppenangebot

Die Schleuser organisieren die Flucht gruppenorientiert, erklärt der Kriminalbeamte. Fluchtwege vom südlichen Afrika bis zum Mittelmeer inklusive Überfahrt werden zu einem Paket geschnürt. Dabei seien die Wege teilweise durch Wüsten und mit den verschiedensten Transportmitteln häufig lebensgefährlich.

Dafür bezahlen die Flüchtenden oft bis zu mehreren Tausend Euro, ohne zu wissen, welche Gegenleistung sie wirklich dafür erhalten. Die Hintermänner verdienen mit der Not der Familien, die oft ihr ganzes Hab und Gut auf eine Karte setzen – ein Ticket für ein Familienmitglied nach Europa. Die Drahtzieher fahren dicke Gewinnen in Milliardenhöhe ein, die teilweise auch der Terrorfinanzierung dienen, sagt Andre Schulz.

"Das ist ein Riesenmarkt. Man sagt, man kann mit Schleusung mittlerweile mehr verdienen als mit Rauschgiftkriminalität."
Andre Schulz, Bundesvorsitzender des Bundes der Kriminalbeamten

Schleusung, so der Kriminalbeamte, ist eine Form der organisierte Kriminalität. Beteiligt daran sind normale Banden, die eng zusammenarbeiten, bis hin zu mafiöse Strukturen. Die Mafia selber, eine Unterform der organisierten Kriminalität, ist in dem Bereich Schleusung und Menschenhandel selber tätig, sagt Andre Schulz.