Seit einem Jahr gibt es den Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei. Zwar ist die Zahl der Flüchtlinge seitdem zurückgegangen. Auf den griechischen Inseln harren aber noch immer viele Menschen unter menschenunwürdigen  Bedingungen aus.

Auf den griechischen Inseln wie Lesbos, Samos oder Chios leben tausende Flüchtlinge in notdürftigen Unterkünften, in der Hoffnung nach Mittel- oder Nordeuropa weiterzukommen. ARD-Korrespondent Michael Lehmann beschreibt die Lage auf Lesbos: Allein in dem umstrittenen Lager Moria leben rund 2200 Menschen, sagt er. Dort sieht es aus wie in einem Gefängnistrakt, mit hohen Stacheldrahtzäunen. Die Menschen dürfen zwar zwischendurch das Gelände verlassen, aber sie müssen monatelang warten.

"Das Quälendste für die Menschen ist, dass sie keinerlei Perspektive haben und viele im Moment auch nicht wissen, was beim Asylverfahren für sie rauskommt."
ARD-Korrespondent Michael Lehmann über die Situation der Flüchtlinge auf Lesbos

Am 18. März 2016 wurde der Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei geschlossen. Er sieht vor, dass die Flüchtlinge, die über die Ägäis-Inseln nach Griechenland kommen, in die Türkei zurückgeschickt werden können. Eine Rückführung ist aber erst möglich, wenn die Asylgesuche geprüft und abgelehnt worden sind. Doch weil die Verfahren länger dauern als gedacht, wurden bisher nur wenige zurückgeschickt.

Monatelanges Warten auf erste Befragung

Noch immer kommen Menschen auf den griechischen Inseln an. "Trotz dieses EU-Türkei-Flüchtlingsdeals ist es so, dass es immer noch mehr Menschen neu auf die Insel schaffen, als letztendlich zurückgeführt oder abgeschoben werden", sagt Michael Lehmann. Zum Teil müssen die Flüchtlinge monatelang auf ihre erste Asylbefragung warten. "Es ist alles andere als menschenwürdig dort", sagt unser Korrespondent.

Ein Helfer vor Ort ist Achilleas Tzemos. Er ist Field Coordinator für Ärzte Ohne Grenzen im Moria-Camp. Die Organisation versucht, den Menschen psychologische und medizinische Unterstützung zu geben.

"Es ist der letzte Teil einer Reise, wo sie Gewalt, sexuelle Gewalt oder Misshandlung erfahren haben. Sie erreichen Lesbos und sind in einer sehr, sehr schlechten Verfassung. Und sie brauchen Hilfe."
Achilleas Tzemos von Ärzte ohne Grenzen

Doch auch die Helfer kommen an ihre Grenzen, sagt Michael Lehmann. Viele von ihnen seien nach der Winterzeit ausgebrannt.

Die griechische Regierung selbst hofft vor allem, dass die Zahl der ankommenden Flüchtlinge nicht wieder steigt. Vor dem Abkommen gab es auf den Inseln zum Teil mehrere tausend Neuankünfte pro Tag. "Dementsprechend katastrophal war die Entwicklung im Tourismus", sagt Michael Lehmann. Das sei gerade für die Inseln, die neben der Landwirtschaft oft nur den Tourismus als Einnahmequelle haben, ebenfalls verheerend.